Hip oder nicht, in Sachen Arbeit geht es aufwärts in Leipzig. Fast 6000 zusätzliche sozialversicherungspflichtige Jobs erwartet die Arbeitsagentur für das Jahr 2014 in und um die Messestadt. Deutlich mehr, als die anderen beiden Sachsen-Metropolen Dresden und Chemnitz erwarten können. Der Automobilwirtschaft sei Dank. Gerade die Niederlassungen von BMW und Porsche sorgen im Nordwesten Sachsens für gute Arbeitsplätze, von denen der ländliche Osten und Süden nur träumen kann.

Weniger Grund zur Freude haben die Vermieter von Büroflächen. Kein einziger größerer Leipziger Bürokomplex konnte in diesem Jahr bislang vermietet werden, teilten die Deutschen Immobilienpartner (DIP) kürzlich mit. Nur 25 000 Quadratmeter fanden im ersten Halbjahr neue Mieter - so wenig wie seit 2004 nicht mehr. 15 Prozent der Leipziger Büros werden zurzeit nicht gebraucht.

So weit, wie Leipzig vorn steht bei den Arbeitsmarktprognosen im bundesweiten Vergleich, so weit steht die Stadt unter Deutschlands Metropolen hinten beim Thema Leerstand. Aus Widersprüchen wie diesem entsteht die Spannung, die die Stadt seit Wochen zur hipsten im ganzen Land gemacht hat. Der wirtschaftliche Aufschwung lockt junge Leute an - das Leerstandsproblem sichert auf absehbare Zeit günstige Mieten.

In Leipzig geht was. Das zeigt der Erfolg neuer Unternehmen wie des Internetportalbetreibers Unister und des T-Shirt-Beschrifters Spreadshirt. Das zeigt sich im Quartier um die alte Baumwollspinnerei in Leipzig-Lindenau, wo eine blühende Kunst-Szene entstanden ist. In der neuen alternativen Szene in den bröckelnden gründerzeitlichen Fabrikvierteln von Lindenau und Plagwitz wurde als erstes der Hype um "Hypezig" ausgerufen. Dass der eine gewisse Berechtigung hat, zeigt sich auch daran, dass an der Pleiße demnächst die erste Moschee Sachsens gebaut wird.

Im nächsten Sommer sollen die Bauarbeiten beginnen. Es wäre der erste Neubau eines islamischen Gotteshauses im Osten Deutschlands. Ein weiterer Superlativ für die Stadt, die über die Jahre schon viele Namen hatte - von "Athen an der Pleiße", "Klein-Venedig" bis zur neusten Bezeichnung "Disneyland des Unperfekten" oder, wie örtliche Blogger ganz unbescheiden vermelden, "die geilste Stadt ever".

Nicht allen Leipzigern gefällt der Hype um ihre Stadt. Bernhard Rothenberger kann damit leben. "Cool ist die Stadt schon, es gibt hier viele Mittelständler, die sehr viel machen", sagt der Wirt des Traditionslokals "Auerbachs Keller". Der 53-jährige gebürtige Badener ist nebenher noch geschickter Werber und damit quasi der Vater des aktuellen Hypes. Den Slogan "Leipzig - the better Berlin" hat Rothenberger auf 16 000 Aufkleber gedruckt. Viele Leipziger haben sich darüber aufgeregt. Ansprechen will der Wirt damit aber Ausländer. Das Lokal, in dem Mephisto auf dem Weinfass ritt, beschäftigt heute 120 Mitarbeiter und lockt pro Jahr 350 000 Gäste an. Ein Drittel kommt aus dem Ausland. "In Asien kennen sie von Deutschland höchstens Berlin", sagt er. "Und wenn wir besser sind als Berlin, kommen sie auch zu uns." Und wenn sie da sind, kommen sie spätestens am dritten Tag in Auerbachs Keller, weiß der Chef des Hauses aus Erfahrung.