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Was Helmut Kohl mit der Lausitz verbindet

Archivfoto Lausitzer Rundschau vom 15. Marz 1990, Wahlkundgebung mit Helmut Kohl in Cottbus
Archivfoto Lausitzer Rundschau vom 15. Marz 1990, Wahlkundgebung mit Helmut Kohl in Cottbus FOTO: LR / Adi Wawro (Desk)
Cottbus. Der jetzt gestorbene Altkanzler Helmut Kohl (1930 bis 2017) hat eine besondere Beziehung zur Lausitz gepflegt. Mal waren es 50.000 begeisterte Zuhörer, auf die er in Cottbus traf. Mal Azubis in Schwarzheide und mal Kraftwerker in Schwarze Pumpe. Eine kleine Lausitzer Chronik zu Helmut Kohl. oht

Helmut Kohl bleibt vielen Lausitzern als Kanzler der Einheit in persönlicher Erinnerung. Für seinen Ruf hat er in der Region einiges getan: Bereits am 13. März 1990, kurz vor der ersten und letzten freien Wahl zur Volkskammer, dem DDR-Parlament, fuhr der Regierungschef der alten Bundesrepublik nach Cottbus.

An die 50.000 Menschen jubelten ihm damals zu, wie LR-Reporter Wolfgang Swat in einem später erschienenen Artikel für die RUNDSCHAU schrieb. Da war Kohl schon Altkanzler, besuchte aber 1999 erneut Cottbus, um Werbung für seine Partei, die CDU, zu machen. "Helmut, Helmut" riefen da auch noch einige der 1500 Anwesenden, bemerkte der Reporter.

Zur Lausitz hatte Kohl eine besondere Beziehung. Bundesgartenschau 1995 in Cottbus: Der Kanzler bekam eine neu gezüchtete Rose in die Hand gedrückt, die seitdem seinen Namen trägt. Traf sich auch mit Soldaten der Fliegerstaffel auf dem Flugplatz (heute Museum und Gewerbegebiet), spendierte den Uniformierten 100 Mark für die Kaffeekasse, wie ein Hubschrauberpilot erzählte. Und der große, stämmige Politiker aß auch deftig: nämlich Linsensuppe mit Würstchen im Waldhotel. Sogar Nachschlag verlangte Kohl, wie Wirt Olaf Schöpe zu Protokoll gab.

Natürlich war Helmut Kohl auch anderswo in der Region. 1995 in Schwarzheide: Lehrlinge der BASF schenkten dem Kanzler einen Miniatur-Amboss zur Erinnerung. Das Unternehmen kannte Kohl gut aus Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz, seiner Heimatstadt bis zuletzt; und so schien ihm am Lausitzer Standort des Chemiegiganten einiges zu liegen.

Beim Betriebsstart des neu gebauten Kraftwerks Schwarze Pumpe 1998 hob Kohl die ostdeutsche Braunkohle hervor. Damals war von Energiewende noch nicht die Rede. Im Jahr darauf, ein Jahr nach seiner verlorenen Bundestagswahl und 16 Jahren Kanzlerschaft, trug sich der stämmige Pfälzer dann ins Goldene Buch in Cottbus ein - und zwar in das Buch des Holiday Inn (seit 2005 Lindner Congress Hotel). Das wurmte Oberbürgermeister Waldemar Kleinschmidt wohl ein wenig, bei dem der Altkanzler nie vorbeikam, um sich ins Goldene Buch einzutragen.

Dies war, so das RUNDSCHAU-Archiv, auch der letzte Besuch Kohls in Cottbus. Im selben Jahr 1999 gab der Kanzler der Einheit der LR ein Interview. Auf die Frage des Berlin-Korrespondenten Bernard Bernarding, ob Kohl die Enttäuschung der Menschen nach neun Jahren Einheit nachvollziehen könne, sagte der Politiker: "Das größte unserer nationalen Probleme ist offenbar: Wir haben keine Geduld."