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Was für ein irrer Abgang

Da hatte ich den Bleistift schon gespitzt, um den Leipziger Ermittlern zum Schluss noch mal richtig einen auf den Deckel zu geben – gut, dass die Sachsen-Kommissare endlich vom Bildschirm verschwinden, schlimm, wie die Kommissarin vor lauter Angst um ihre Frisur nur auf äußerster Sparflamme spielt, noch schlimmer, wie ein so guter Schauspieler wie Martin Wuttke 90 Minuten lang im ersten Gang versucht, die schauspielerischen Fehltritte seiner Kollegin auszubügeln. Und dann das – zum Abschluss servieren uns die Leipziger einen völlig irren Tatort, in dem Martin Wuttke alias Kommissar Keppler endlich mal zeigen darf, wie toll er als Schauspieler ist, in dem Simone Thomalla als Ermittlerin Saalfeld endlich mal ihre Maske ablegt und schauspielert – sich sogar traut, in Boxershorts vor die Kamera zu treten.

Ganz kurz zu Beginn des letzten Leipzig-Krimis hätte man noch denken können, die Sachsen versuchten, den Grimme-Preis-Tatort mit Tukur zu kopieren. Dort hatte man sich schließlich auch direkt an die Zuschauer gewandt und einen auf Shakespeare gemacht. Was aber die Leipziger gemacht haben, geht einen Schritt weiter - statt Dutzende literarische und filmische Zitate aneinanderzureihen, zitieren die Sachsen ganz einfach den Tukur-Tatort. Und das mit so viel Ironie, dass man gar nicht umhin kann, zu lachen, mitzufiebern und sich schuldig zu fühlen, weil man ja so oft etwas Schlechtes über Keppler und Saalfeld gesagt hatte.

Gut, der gemeine Tatort-Purist wird den letzten Leipziger Krimi wahrscheinlich ziemlich sinnlos und überdreht gefunden haben. War er auch. Aber überdreht ist ja nicht gleich schlecht.

Vielleicht war ein solches Drehbuch in der Tat nur möglich, weil's der letzte Fall für die Kommissare Saalfeld und Keppler war. Was für ein irrer Abgang.