Die RUNDSCHAU beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem Hilfeersuchen der Griechen und was es für Deutschland bedeutet.

Wie viel Geld hat Griechenland bei der Europäischen Union beantragt?
Dies war vorerst offen. In einem Brief des griechischen Finanzministeriums an die Euro-Gruppe, die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) vom Freitag heißt es lediglich: ,,Griechenland bittet hiermit um die Aktivierung des Hilfsmechanismuses". Die Euro-Länder haben Athen alleine für dieses Jahr bis zu 30 Milliarden Euro über bilaterale Kredite in Aussicht gestellt. Zusammen mit Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) beläuft sich der Mechanismus auf insgesamt 45 Milliarden Euro. Das Paket ist auf drei Jahre angelegt.

Was kostet das den deutschen Steuerzahler?
Deutschland muss den größten Teil der Euro-Hilfen übernehmen. Auf die Bundesrepublik entfallen nach Regierungsangaben rund 28 Prozent der Summe, also 8,4 Milliarden Euro alleine für das erste Jahr. Falls Griechenland noch mehr Geld benötigt, könnten in den beiden Folgejahren weitere Milliarden fällig werden. Eine Obergrenze gibt es nicht.

Reißt das denn nicht neue Löcher in den deutschen Haushalt?
Die Bundesregierung sagt: Nein. Der Milliardenkredit soll über die öffentliche Förderbank KfW abgewickelt werden, der Bund würde dann für die Summe nur bürgen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will dafür die Zustimmung des Bundestags einholen.

Sind die Milliarden für Griechenland verloren?
Nein, die Regierung in Athen muss den Kredit zurückzahlen. Dies soll zu einem Zinssatz von rund fünf Prozent geschehen. Konkret heißt das: Leiht die Bundesregierung Athen acht Milliarden Euro, erhält sie das Geld zurück, plus 400 Millionen Euro Zinsen jährlich. Einige Finanzexperten fürchten aber, dass Griechenland das Geld nie zurückzahlen können wird.

Kann noch irgendjemand die Milliarden für Griechenland stoppen?
Dies versuchen vier deutsche Wissenschaftler. Sie wollen Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht einreichen. Der Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider, der frühere Zentralbankrat Wilhelm Nölling und die beiden Ökonomen Joachim Starbatty und Wilhelm Hankel halten die EU-Hilfen nicht mit dem Lissabon-Vertrag für vereinbar. Dieser verbietet in Artikel 125 (der sogenannten ,,No-bailout-Klausel") die Übernahme von Schulden eines anderen Mitgliedstaates der Europäischen Union.