Am Wochenende und auch am Montag äußerte sich FDP-Chef Philipp Rösler höchst kritisch zum Betreuungsgeld und anderen Forderungen der Union. Alles zu teuer. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) konterte umgehend: "Vor einem Koalitionsgipfel kann man nicht Bedingungen stellen." Tatsächlich aber sind das nur Schaukämpfe. Alle Seiten wollen "Handlungsfähigkeit demonstrieren". Und zwar noch vor Weihnachten. Das sind die Bestandteile des geplanten Paketes.

Betreuungsgeld. Es wird kommen, denn die CSU hat ihren Wählern diese neue Sozialleistung so sehr versprochen, dass bei einem Scheitern die Koalition platzen würde. Und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versprach es am Wochenende den Christsozialen. Ziemlich klar ist die Höhe: 100 Euro monatlich für einjährige Kinder im Jahr 2013, 150 Euro monatlich ab 2014 dann für alle Ein- und Zweijährigen - wenn die Eltern keine staatliche Krippenbetreuung in Anspruch nehmen. Offen sind noch die Bedingungen für die Zahlungen, etwa die Pflicht, Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen. Und auch, ob das Geld auch als Zuschuss für eine Riester-Rente oder, was die FDP fordert, für ein "Bildungskonto" verwendet werden kann. SPD und Grüne haben bereits erklärt, dass sie das Betreuungsgeld im Falle eines Regierungswechsels wieder abschaffen wollen.

Rente. Hier ist sich die Union selbst noch nicht einig, wie die Altersarmut bekämpft werden kann. Das wird erst vor und auf dem Parteitag im Dezember geschehen. Das Modell einer Zuschussrente von Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat nach internen Einschätzungen nur noch wenige Chancen. Die FDP und der Wirtschaftsflügel der Union sind dagegen. Der Sozialflügel der Union brachte jetzt eine "Rente nach Mindesteinkommen" ins Gespräch. Debattiert wird außerdem über eine stärkere Anerkennung von Erziehungszeiten für vor 1992 geborene Kinder. Auch die Idee von Familienministerin Kristina Schröder (CDU), Großeltern das Recht auf "Großelternzeit" einzuräumen, ist in der Diskussion. Wahrscheinlich ist, dass sich die Koalition zunächst nur über einen Fahrplan für die offenen Fragen bei der Rente einigt und Beschlüsse erst später fallen.

Sozialabgaben. Eine Absenkung des Rentenbeitrages von derzeit 19,5 auf 18,9 Prozent ist bereits beschlossen, jetzt geht es um die Krankenkassen. Sie haben hohe Überschüsse. Zur Debatte steht außer einer von der CSU geforderten Beitragsabsenkung vor allem die Abschaffung der Praxisgebühr, eine Forderung der FDP. Fachpolitiker der Union mahnen zwar zur Vorsicht, weil das Geld bald wieder fehlen wird, doch hat die Kanzlerin bereits Zustimmung signalisiert.

Energiekosten. Wegen der schlechten Koordinierung der Energiewende und der teuren Förderung der erneuerbaren Energien schießen die Stromkosten nach oben. Die von der FDP geforderten Senkungen bei der Strombesteuerung lehnt die Union bisher jedoch ab. Denkbar ist als Kompromiss das Vorziehen einer grundlegenden Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Umweltminister Peter Altmaier (CDU) wollte sich ursprünglich bis nächsten Sommer Zeit lassen; die FDP hingegen möchte möglichst schnell Korrekturen.

Verschuldung. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will ab 2016 die Vorgabe der Schuldenbremse im Grundgesetz erfüllen und nur noch neue Schulden im Umfang von maximal 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufnehmen. Die FDP will jedoch bereits 2014 bei den Schulden auf Null gehen. Die SPD hat wegen der Kosten des geplanten Koalitions-Pakets die Sorge, dass Deutschland die Defizit-Vorgaben des Euro-Fiskalpaktes schon 2014, also im ersten Jahr, reißen wird.