Was ist soziale Gerechtigkeit aus Sicht der Bürger?
91 Prozent sind der Auffassung, dass man von seinem Lohn auch leben können muss. 90 Prozent definieren soziale Gerechtigkeit darüber, dass alle Kinder die gleichen Chancen auf eine gute Bildung haben müssen. Die Deutschen wollten Unterschiede in der Gesellschaft, so Allensbach-Chefin Renate Köcher. Aber nicht, wenn es um die Chancengleichheit geht.

Was ist zu tun?
Darüber hat die Mehrheit der Deutschen klare Vorstellungen: 71 Prozent fordern, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. 70 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass Kinder in der Schule besser auf den Beruf vorbereitet werden müssen. Das ist auch im Sinne der Initiative Soziale Marktwirtschaft, die die Erhebung in Auftrag gegen hatte. Deutschland leiste sich zu viele Schul- und Ausbildungsabbrecher, so Geschäftsführer Hubertus Pellengahr. Der Staat müsse daher mit einer "effizienteren Bildungspolitik" die Voraussetzungen für mehr Chancengleichheit schaffen .

Welche Prioritäten setzen die Menschen noch?
58 Prozent der Bundesbürger sind der Auffassung, dass junge Familien mit Kindern vom Staat besser gefördert werden müssen. Allerdings will die Mehrheit kein Betreuungsgeld – nur 21 Prozent bewerten die Leistung positiv. 56 Prozent wollen auch, dass die Einkommen und Vermögen möglichst gerecht verteilt werden. Gleiches gilt für die Lasten zwischen den verschiedenen Generationen, zum Beispiel bei der Rente. Allerdings sagen zugleich 80 Prozent der Bürger, dass diejenigen, die mehr leisten, auch mehr verdienen müssen.

Wer kann dafür sorgen, dass es gerechter zugeht?
Für 73 Prozent ist es die Politik, die für mehr Gerechtigkeit sorgen muss. 32 Prozent sehen auch die Wirtschaft in der Pflicht, 28 Prozent sogar den Bürger selbst. Zugleich wird den Politikern aber ein schlechtes Zeugnis ausgestellt: Mehr als die Hälfte der insgesamt 3000 Befragten gibt an, dass die Regierenden Chancengleichheit im Bildungsbereich und auf dem Arbeitsmarkt "weniger gut" bis "gar nicht gut" realisieren. Die Parteien, so Pellengahr, hätten deshalb jetzt die Aufgabe, in ihren Wahlprogrammen für die anstehende Bundestagswahl zu zeigen, "dass sie diese klare Botschaft verstanden haben".