Dem Bundesaußenminister liegt offenbar viel daran, von Ergebnissen der deutsch-arabischen Transformationspartnerschaft zu erfahren. Denn die Akteure der 2. internationalen Fachkonferenz zur Vermittlung von Ergebnissen der weltweiten Welterbe-Forschung von BTU Cottbus-Senftenberg und der Helwan Universität Kairo sind zum Auftakt Gesprächspartner in Berlin. Bevor die Konferenz am Donnerstag und Freitag am Zentralcampus in Cottbus die Experten vereint und sie Erkenntnisse von ganz unterschiedlichen Welterbestätten präsentieren und diskutieren, geht es um Politik. Denn der vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) mit 1,2 Millionen Euro geförderte deutsch-ägyptische Studiengang ist ein Stück Unterstützung für den "arabischen Frühling". Es geht um Ausbildung, Perspektivwechsel, Weltoffenheit.

Studieren in Lausitz und am Nil

BTU-Professor Leo Schmidt wird dabei - wie seine Kairoer Partner - von Begeisterung und gegenseitigem Erkenntnisgewinn bei Studierenden und Lehrenden berichten. Für den in das zweite Jahr gehenden internationalen Studiengang haben sich in Cottbus zwölf und in Kairo 15 neue Studierende eingeschrieben. Die aus mehreren Ländern (Jordanien, Bulgarien, Ägypten) kommenden jungen Leute lernen wechselseitig in der Lausitz und am Nil. "Im Sommer sind sie alle in Cottbus", sagt der Lehrstuhlinhaber für Denkmalpflege. "Wo sie allerdings ihren Master-Abschluss erwerben, ist ihnen freigestellt."

Die Fachkonferenz gehört zum Joint Master Studiengang "Heritage Conservation and Site Management" (Kulturerbe-Bewahrung und -stättenmanagement), den die BTU Cottbus-Senftenberg mit der Helwan Universität in Kairo anbietet. Im Dezember 2013 hat es bereits ein erstes Bilanzieren in Luxor gegeben, das insbesondere dem Aspekt des Kulturerbe-Tourismus gewidmet war. Denn ob Pompeji, Olympia, Pergamon, Petra oder die Pyramiden: Archäologische Stätten und Ruinen gehören zum Standardprogramm von Touristen, die Länder rund um das Mittelmeer besuchen.

Reiz der Unvollständigkeit

Aber auch in Mittel- und Nordeuropa gibt es unzählige vergleichbare Orte, von Burgruinen wie dem Heidelberger Schloss bis zu Orten jüngster Geschichte, etwa der Berliner Mauer, die von Millionen Menschen aufgesucht werden. "All diesen Orten gemeinsam ist ihr fragmentarischer Zustand, das Unvollständige", erläutert Schmidt. Daraus ergebe sich die Herausforderung, aber auch der Reiz, sich auf der Basis der übrig gebliebenen Reste vorzustellen, wie der Ort, das Bauwerk einmal ausgesehen hat. "Uns ist es gelungen, Experten nach Cottbus zu holen, die von spannenden archäologischen Stätten und Erinnerungsorten berichten werden", betont Tagungsleiter Schmidt.

Darunter sind die Generaldirektoren der beiden größten und spektakulärsten Museumsprojekte, die gerade in Ägypten verwirklicht werden. Nach Einschätzung von Experten werden sie das Bild der ägyptischen Kultur verändern. So entsteht das National Museum der ägyptischen Zivilisation zurzeit in Kairo und soll im November 2014 eröffnet werden. Das Große Ägypten-Museum, nicht weit von den Pyramiden von Gizeh, wird die Schätze der Pharaonen zeigen, von denen bisher in Kairo nur ein kleiner Teil zu sehen war. Dass diese Museen Forschungs- und Masterarbeiten auch an den deutsch-ägyptischen Studiengang vergeben, ist für Leo Schmidt inzwischen mehr als nur Zukunftsmusik.