Was möchte der Vater des Amokläufers von Winnenden mit der Klage erreichen?
Nach dem Strafverfahren vor dem Stuttgarter Landgericht können zivile Schadenersatz- und Schmerzensgeldforderungen in Millionenhöhe auf den Vater zukommen. Er hatte die Waffe unverschlossen aufbewahrt, mit der sein Sohn am 11. März 2009 in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen und sich selbst erschoss. Durch die Klage will der Vater erreichen, dass das Klinikum Weinsberg bis zu 8,8 Millionen Euro der möglichen Schadenersatzzahlungen übernehmen muss.

Wie begründen die Anwälte des Vaters seine Forderung?
Anwalt Erik Silcher geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die Ärzte bei ihrer Behandlung die Gefahr erkennen konnten, die von dem späteren Täter ausging. Wären die Eltern darauf hingewiesen worden, hätte die Tat möglicherweise verhindert werden können, sagte er.

Wie viele Schadenersatzklagen wurden bislang eingereicht?
Beim Stuttgarter Landgericht sind bislang sechs Zivilklagen zum Amoklauf eingegangen, meist von Polizisten. Weitere Forderungen sind jedoch zu erwarten, etwa von Angehörigen der Opfer und von der Stadt Winnenden. Im Raum stehen hier bis zu 18 Millionen Euro. Der Klagewert 8,8 Millionen Euro ist laut Kanzlei Silcher die Summe, die durch die Rechtsschutzversicherung des Vaters gedeckt ist.

Warum klagt der Vater schon jetzt?
Der Klageentwurf gegen die Klinik wurde noch Ende 2012 eingereicht, um zu verhindern, dass mögliche Ansprüche des Vaters verjähren. Die Psychiatrie habe – anders als die Verteidigung des Vaters – nicht auf die "Einrede der Verjährung" verzichtet, hieß es.

Was sagt die Klinik zur Klage und ihren Hintergründen?
Weil der Anwältin des Klinikums die Klage noch nicht vorliegt, will sie sich zum Inhalt nicht äußern. "Die außergerichtlich gegenüber der Klinik erhobenen Vorwürfe sind allerdings substanzlos", sagt sie. Für die behandelnden Ärzte und Therapeuten gelte nach wie vor die ärztliche Schweigepflicht. Mit Verweis darauf hatten sie im Strafverfahren gegen den Vater die Aussage verweigert. Die Anwältin des Vaters, Elisabeth Unger-Schnell, rechnet damit, dass die Ärzte im Zivilverfahren Angaben machen werden. "Sonst geht die Klage ohne Probleme durch. Das werden sie nicht wollen." Wie reagiert das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden auf die Klage?
Das Aktionsbündnis kritisiert die Zivilklage. "Der Schritt mag juristisch legitim sein – aus moralischer Sicht ist er völlig daneben", sagt Vorstandsmitglied Gisela Mayer, die durch den Amoklauf im März 2009 ihre 24 Jahre alte Tochter Nina verloren hat. Der Vater solle Verantwortung für seine Fehler übernehmen, statt einen Schuldigen zu suchen, der die Kosten trage. Dass der 17-jährige Täter psychische Probleme hatte, sei sicher, sagt sie. "Sonst wäre er nicht in der Klinik gewesen." Klar sei auch, dass der Vater als Sportschütze ein gefährliches Hobby hatte und leichtsinnig mit den Waffen umging.

Was ist das Zentrum für Psychiatrie Weinsberg?
Das "Klinikum am Weissenhof – Zentrum für Psychiatrie Weinsberg" ist ein akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Heidelberg. Es ist der Aufsicht des Landes Baden-Württemberg unterstellt und bietet psychiatrische-psychotherapeutische und psychosomatische Behandlung und Betreuung psychisch kranker Menschen in der Region Heilbronn.