Ein dunkelrotes Holzhaus unter hohen Bäumen, die Fensterrahmen sind weiß gestrichen. Im Garten spielen Lotta, Sören und vielleicht ein kleiner Michel. Die "Grönnvallska Förskolan" im ländlichen Teil der Kommune Örebro bestätigt alle Vorstellungen, die man in Deutschland landläufig über Schweden hat.

Drei Pädagogen, Lehrer und Kinderpfleger kümmern sich in der Kindertagesstätte um eine Gruppe von 15 schwedischen Dreikäsehochs, berichtet Ewa Fritze, die in der Gemeinde für einen Teil der Kindergärten Verantwortung trägt. Bei den unter Vierjährigen ist rein rechnerisch ein Erzieher für fünf Kinder zuständig.

Brandenburgs Bildungsministerin Martina Münch und Sozialminister Günter Baaske hören aufmerksam zu. Zusammen mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Ralf Holzschuher und seiner Stellvertreterin Sylvia Lehmann sind sie in dieser Woche nach Schweden gereist, organisiert von Thomas Kralinski, dem Geschäftsführer der Landtagsfraktion.

Erfahrungsaustausch mit Kollegen

"In Brandenburg erleben wir den demografischen Wandel", sagte Holzschuher. Damit seien Probleme verbunden, die es im dünner besiedelten Schweden bereits gebe. "Wir wollen uns ansehen, welche Erfahrungen man in Schweden macht, und die Erkenntnisse daraus in unsere praktische Politik mitnehmen."

Gespräche im Stockholmer Sozialministerium und in der staatlichen Schulaufsicht standen ebenso auf dem Programm der Brandenburger Delegation wie ein Besuch in einem Altenpflegeheim, einer Familienberatung und der Adolfsbergsskolan in Örebro.

Hier befinden sich eine Sonderschule für geistig- und körperbehinderte Kinder und eine reguläre Grundschule unter einem Dach. "Wie ist das denn hier mit Kindern, die eine Lernbehinderung haben?", erkundigte sich Ministerin Münch. In Brandenburg sollen sie bekanntlich demnächst eine normale Grundschulklasse besuchen.

Probleme in Nordschweden

Doch in Schweden ist das schon immer der Fall, sagte Liliane Beckne Hammarlund, Rektorin der Sonderschule. "Sie gehen an eine ganz normale Grundschule", sagte Hammarlund. "Da müssen wir Lehrer die Voraussetzungen schaffen, dass sich auch diese Kinder entwickeln können."

Das war Wasser auf die Mühlen von Martina Münch. "Die Schweden sind uns in der Inklusion lange voraus", sagte die Ministerin. "Hier ist es selbstverständlich, dass die Kinder gemeinsam zur Schule gehen und der Unterricht entsprechend organisiert wird."

Und auch beim Umgang mit den Schulen in freier Trägerschaft war die Ministerin stets hellhörig: Sie werden in Schweden zu 100 Prozent aus öffentlichen Mitteln finanziert. "Die Privatschulen fördern die Segregation", sagte Thomas Esbjörnsson, sozialdemokratischer Stadtrat in Örebro. Aber sie unterstünden auch der Schulaufsicht und können bei schlechten Leistungen vom Staat geschlossen werden.

Doch von einigen Schweden-klischees der Brandenburger Besucher blieben auch nur die roten Holzhäuser mit den weißen Fensterrahmen übrig. Die Kommunalisierung des Schulwesens etwa hat dazu geführt, dass gerade im ländlichen Nordschweden die Qualität der Bildung leidet.

Obwohl theoretisch alle Schüler den Anspruch auf gleiche Bildungsmöglichkeiten haben, könne das gerade im extrem dünnbesiedelten Norden nicht verwirklicht werden, sagt Gunnar Iselau von der Schulaufsicht. Es fehlten Geld und Lehrer.

Zu wenig Fachkräfte

Über die Jahre behalf man sich sogar mit Kräften, die für diesen Beruf eigentlich nicht ausgebildet waren: "Wenn einer eine Deutsche heiratete, konnte die relativ leicht zur Deutschlehrerin werden", sagte Iselau. Auch wenn sie eigentlich Frisörin war. Und der Schuldezernent Esbjörnsson aus Örebro berichtete von einer Zwergschule mit gerade einmal 23 Schülern: Drei Mitarbeiter, darunter ein Lehrer, kümmern sich um sie. Und keiner ist in Vollzeit angestellt.

"Bei so wenig Personal leidet die Qualität, und auch finanziell ist diese Schule ein Defizit", sagt Schuldezernent Esbjörnsson. Doch die nächste Schule liegt Dutzende Kilometer entfernt. "Aber einen Acht- oder Neunjährigen 30 Kilometer zur nächsten Schule zu bringen, ist auch etwas, was man politisch nur schwer verteidigen kann." Ein Problem, das auch im Norden Brandenburgs immer aktueller wird. Eine Lösung dafür fanden die SPD-Politiker in Schweden nicht.