Dirk Killat ist im Oktober 2008 von Darmstadt an die BTU nach Cottbus gekommen. Er wurde Lehrstuhlinhaber für Mikroelektronik und hat seither in Forschung und Lehre viele junge Leute auf dem Weg ins Berufsleben begleitet. Die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) sind nicht gerade die "Lieblinge" unter Jugendlichen. Das liegt nach Ansicht von Prof. Killat auch daran, dass im zehnten Lebensjahr - wo die Faszination für Technik sehr groß ist - vor allem in der Schule nicht genügend dafür getan wird. Doch wer die Voraussetzungen mitbringt und hier einen Studienabschluss erwirbt, der ist gefragt in der Wirtschaft.

Immerhin werden künftig 50 000 Ingenieure gesucht - pro Jahr. Wie bedeutsam dabei eine gute Ausbildung ist, belegt allein der Umstand, dass die Hälfte der gesamten deutschen Industrieproduktion von der Elektro- und Informationstechnik abhängt. Und Prof. Dirk Killat gibt mit einem weiteren Hinweis zu bedenken: "Wer die Energiewende will, der muss Elektrotechnik studieren."

Zwei junge Männer sitzen unterdessen mit am Tisch des Lehrstuhlinhabers. "Bei einem Schülerpraktikum am IHP habe ich Feuer gefangen", erzählt Stefan Simon, der mit seinem Masterabschluss genau dort, in seiner Heimatstadt Frankfurt (Oder), einen Job bekommen hat.

Am Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik (IHP) hatte er damals in der Messtechnik Tuchfühlung zur Mikroelektronik aufgenommen. Dort wurde er herangeführt, Halbleiter zu programmieren und Messdaten zu liefern. "Das IHP war die Praxis, an der BTU habe ich die Gleichungen dazu gelernt", erklärt Stefan Simon, von dessen Masterarbeit zum Thema Spannungswandler für die Luft- und Raumfahrt sein Professor Killat in höchsten Tönen spricht.

Kurz lasse sich der Inhalt der Arbeit nicht darstellen, sagt Simon. Dennoch versucht er es: In Luft- und Raumfahrtanwendungen stelle die effiziente Stromversorgung der verwendeten Bordelektronik ein Kernproblem dar. So müsse unter anderem die Strahlung beachtet werden. Aus diesem Grund sei die Verwendung von geeigneten Technologien und Schaltungskonzepten essenziell. Stefan Simon hat am IHP zwei verschiedene Varianten verglichen, getestet, beschrieben und begründet, warum er sich für die eine Lösung entschieden hat.

Während Stefan Simon schon als Kind den Computer des Vaters "verbessern" wollte und zu programmieren versuchte, hat Martin Birth nach dem Abitur eine Berufsausbildung als IT-Systemtechniker gemacht und im Betrieb des Onkels gearbeitet. "Ich habe aber schnell gemerkt, dass ich mehr wissen wollte", schildert der BTU-Student, dass der Studiengang mit Informations- und Medientechnik für ihn passgenau gewesen sei. Inzwischen steht er vor dem Master, wofür er viel Zeit im Tonlabor der Uni in Cottbus verbringt.

Denn in dem modern ausgestatteten "Forschungslabor" beschäftigt er sich intensiv mit Mikrofonfeldern, über die in Zukunft die Sprache von Personen in einem Raum herausgefiltert werden könnte. "Eine Voraussetzung, um Autos über Sprache zu steuern", wirft Prof. Killat ein. Konkret geht es Martin Birth in seiner Bachelorarbeit "Sprecherlokalisation mit einem 3D-Mikrofonfeld" darum, "fokussierte Signale zu nutzen, um eine Raumabtastung nach möglichen Schallintensitätsmaxima zu untersuchen". Die Formeln und Gleichungen (siehe Faksimile) werden natürlich mitgeliefert.

Für Dr. Ronald Römer, der Birth als wissenschaftlicher Assistent begleitet, wird hier "an Werkzeugen geforscht, die dem Menschen helfen sollen". Es gehe um mentale Werkzeuge. Denn die vielen Informationen, die heute auf den Menschen einströmen, könne dieser kaum noch verarbeiten. Aus Römers Sicht hat die Arbeit von Martin Birth das Potenzial, zum Master geführt zu werden.

An Innovationen teilzuhaben, darum geht es Prof. Killat auch beim Thema Silizium-Photonik. Darunter versteht man die Realisierung optischer Komponenten und Systeme, die Silizium für die Übertragung von optischen Signalen auf einem Chip verwenden. Dafür Schaltungsschnittstellen zur Verfügung zu stellen, das ist Killats Ehrgeiz - und zwar als Erster in Deutschand. Nicht nur für ihn macht das den Reiz der Forschung in der Mikroelektronik aus.

Zum Thema:
80 000 Beschäftigte arbeiten im Bereich der Elektro- und Informationstechnik. Sie machen die deutsche Elektroindustrie zu einer der weltweit größten Innovationsbranchen. Elf Milliarden Euro werden von Unternehmen jährlich in die deutsche Forschung und Entwicklung investiert.80 Prozent der deutschen Exporte gäbe es nicht ohne die Entwicklungen der Elektro- und Informationstechnik.50 Prozent der gesamten deutschen Industrieproduktion hängen von der Elektro- und Informationstechnik ab.50 000 Ingenieure werden zukünftig gesucht. Und das jährlich. Sie führen die Menschheit ins zweite Stromzeitalter - mit Elektrotechnik, Informationstechnik und Mikroelektronik. In so zukunftsrelevanten Bereichen wie Elektromobilität, integrierte Stromnetze, IT-Vernetzung, IT-Security oder neuartige Assistenzsysteme mit Blick auf eine alternde Gesellschaft.