Das Elsterschloss-Gymnasium Elsterwerda ist eine Lehranstalt mit Tradition: Seit 1922 werden hier Kinder der Region zum Abitur geführt. Mit wachsendem Erfolg - Jungen und Mädchen aus den angrenzenden Städten nehmen weite Wege auf sich, um hier zu lernen.
Ein Grund für die Beliebtheit liegt in der Person der Schulleiterin. Elke Peschk, 46, hat seit 1991 als Pädagogin am Haus gearbeitet. Als die Stelle des Schulleiters 2003 ausgeschrieben wurde, bewarb sie sich, mit dem Votum der Schulkonferenz. Sie durchlief das komplette Bewerbungsverfahren - um am Ende zu erfahren, dass sie die Schule gern leiten könne. Nur nicht als Schulleiter.
„Man hatte sich kurzfristig entschlossen, frühzeitig einen Posten freizuhalten für Gymnasialleiter, die im Zuge drohender Schulschließungen ihren Job verlieren würden.“ Elke Peschk wurde nur kommissarisch eingesetzt, leitete das Elsterschloss die ersten 18 Monate für ein Lehrergehalt. „Ich wusste also“ , sagt sie, „dass irgendwann der Punkt käme, an dem ich die Schulleitung wieder abgeben müsste.“

Qualitätsstandards gehalten
Um so höher rechneten es ihr Schüler, Kollegen und Elternvertreter an, dass sie Qualitätsstandards hielt und mit Power und neuen Ideen frischen Wind ans Gymnasium brachte. Dagmar Menzel, Elternsprecherin und Mutter zweier Kinder: „Sie hat das Kollegium zu einem Team zusammengeschweißt, die Eltern wunderbar in die Arbeit mit einbezogen. Und die Schüler profitieren besonders von ihren Bemühungen, Kontakte zu außerschulischen Lernorten zu knüpfen.“
So war der Physik-Leistungskurs kürzlich an der Dresdner TU zu einer Vorlesung, regionale Handwerker und Selbstständige kommen in den Unterricht, um von ihrem Alltag zu erzählen. Es sei ihr wichtig, erzählt Elke Peschk, den Schülern zu zeigen, welche Möglichkeiten das Leben bietet. „Es kann doch nicht sein, dass alle später Pädagogik oder Medizin studieren. Wir brauchen doch auch Ingenieure und technische Experten.“ Mit Matheolympiaden, Bio- oder Chemiewettbewerben versucht sie, die Lust der Schüler auf Wissenschaft zu wecken.
Dagmar Menzel, freiberufliche Architektin, hat selbst einmal eine Stunde am Elsterschloss gestaltet. „Der Marktplatz in Elsterwerda wird umgebaut. An diesem Beispiel haben wir mit den Schülern überlegt, was wichtig ist für einen Ort, welche Anbindung der Platz braucht, welche Bedürfnisse er erfüllen muss, was ein Marktplatz traditionell eigentlich ist.“ Lebensnahes Lernen, das ist es, was sie sich für ihre Kinder wünscht. Und was anscheinend auch bei der Schülerschaft ankommt. 900 Unterschriften haben die Jungs und Mädchen gesammelt, Schülersprecherin Bettina Lahn appelliert in einem bewegenden Brief an das Staatliche Schulamt Cottbus: Sie lobt die Teamfähigkeit der Schulleiterin, ihre Engagement für Partnerschaften und Austauschprogramme, für die externe Qualitätsüberprüfung der Schule. „Ein Bedarf an einem Wechsel besteht somit nicht. Das Interesse der Schüler, Lehrer und Eltern überwiegt dem Interesse der Behörde, ihre personelle Verteilung neu zu organisieren.“ Der Förderverein der Schule hat sich ans Ministerium gewandt, ebenso die Elternkonferenz, der Bürgermeister und die Stadtverordnetenversammlung.
Elke Peschk: „Ich bin unglaublich gerührt, was sich da alles um mich herum bewegt. Natürlich kenne ich die beamtenrechtlichen Zwänge des Schulamtes, aber es wäre doch irgendwie traurig, wenn alles Engagement ins Leere laufen würde.“ Schulleitern aus Cottbus und aus Doberlug, deren Häuser im Sommer geschlossen werden, wurde der Posten in Elsterwerda bereits angeboten. Für Elke Peschk bliebe dann nur noch der Weg zurück auf ihre alte Lehrerstelle. „Ich hätte damit überhaupt kein Problem, ich liebe meinen Job und die Kollegen würden mich sofort wieder aufnehmen.“

Einmalige Qualifikation
Nur eben heillos überqualifiziert wäre sie - gerade schließt sie ihr nebenberufliches Studium als Schulmanagerin ab. Eine Qualifikation, die in der Region einmalig ist. „Ich muss sehen,“ sagt die Schulleiterin, „wie ich meine Fähigkeit einbringen kann. Mein Herz hängt an der Schule hier. Zusätzlich könnte ich mich ja in der Lehrerfortbildung engagieren.“ Oder die Region verlassen - der Mann von Elke Peschk arbeitet bereits in Bayern.
Für den morgigen Tag ist eine Demo in Elsterwerda angesetzt, die Schüler haben die Aktion „1000 Postkarten für unsere Schulleiterin“ gestartet. Am Nachmittag ist ein Ministergespräch in Potsdam vorgesehen, bei dem die Zukunft von Elke Peschk beraten werden soll. Und 815 Schüler können Chancen und Risiken politischen Lebens lernen.