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Warum die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland wieder steigt

Beim Blick auf die Statistik gehen die Warnlampen an: Erstmals seit zwei Jahrzehnten steigt die Zahl der Unfalltoten und Verletzten in Deutschland. Die RUNDSCHAU erklärt, was getan werden muss. dpa/sm

Was ist passiert?

Mit 3900 Verkehrstoten rechnet das Statistische Bundesamt 2011 - das wären sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Damit ist die Zahl der Verkehrstoten erstmals seit 20 Jahren wieder gestiegen. Rekordjahr seit Einführung der Statistik 1953 war das Jahr 1970 mit 21 332 Toten in der Bundesrepublik und der DDR. Seither ging die Zahl nach unten - mit Ausnahme eines kurzen Anstiegs direkt nach der deutschen Einheit.

Welche Rolle spielt die Witterung?

Statistiker und Verkehrsexperten führen den Anstieg "zum Teil" auf die Witterung zurück. Mildes Wetter lockt mehr Motorrad-, Radfahrer und Fußgänger nach draußen, und diese sind bei Unfällen schlechter geschützt als Autofahrer. "Die Witterung am Anfang des Jahres ist eine Erklärung, danach aber nicht mehr so", sagt Wolfgang Steichele vom ADAC. Anja Hänel vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) sagt: "Nur die Unfälle mit Personenschaden haben zugenommen. Das ist ein Indiz dafür, dass es nicht nur mit dem Wetter zu tun hat."

Welche Ursachen gibt es noch?

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) und der Auto Club Europa (ACE) verweisen auf eine hohe Dunkelziffer bei Gurtmuffeln. Vor allem auf kurzen Strecken schnallten viele Autofahrer sich oder ihre Kinder nicht an. Etwa 20 bis 30 Prozent aller getöteten Autofahrer waren Studien zufolge nicht angeschnallt. Der Frankfurter Verkehrssoziologe Alfred Fuhr erklärt den Anstieg der Verkehrstoten bei den 15- bis 17-Jährigen damit, dass diese "eher unbewusst im Verkehr unterwegs" seien. Sie hätten die Initiationszeit mit Mofa oder Roller nicht mehr, seien oft übermüdet und häufig vom Handy oder MP3-Player abgelenkt.

Vor allem bei Fußgängern und Motorradfahrern gibt es mehr Tote. Was tun?

Die Versicherungswirtschaft (gdv) will die von der EU geplante Einführung von ABS-Bremssystemen für Motorradfahrer vorziehen und fordert zudem verpflichtende Fahrsicherheitstrainings für Motorradfahrer. "Jeder zweite getötete Fußgänger ist mehr als 65 Jahre alt, die Verkehrsplanung muss auf die speziellen Belange dieser Altersgruppe besser eingehen", fordert der Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann. Als Beispiele nennt er längere Ampelphasen und mehr Fußgängerfurten.

Was bringt ein Tempolimit?

Der VCD plädiert für Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in Ortschaften und für eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen. Der ACE setzt dagegen auf Verkehrsbeeinflussungsanlagen auf Autobahnen. Der gdv fordert, die Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten besser zu kontrollieren.

Was fordern die Fachleute noch?

DVR und VCD sind für ein absolutes Alkoholverbot. Sie wollen auch verbindliche Fahrschulstunden nach dem Erwerb des Führerscheins für Fahranfänger.