Joan Baez, Jane Birkin und Prince - sie alle sind im Bataclan aufgetreten, jener Konzerthalle mit rot-gelber Fassade, die seit vergangenem Freitag zum Synonym für den Terrorismus geworden ist. 89 Menschen starben, als drei Attentäter das mit 1500 Menschen vollbesetzte Konzert der US-Gruppe Eagles of Death Metal stürmten. Ein "Fest der Perversion" sei dort gerade gefeiert worden, schrieb die Extremistenorganisation Islamischer Staat in ihrem Bekennerschreiben.

Schon lange hatten die französischen Geheimdienste einen Anschlag auf einen Konzertsaal befürchtet. Dass es nun das Bataclan getroffen hat, könnte französischen Zeitungsberichten zufolge kein Zufall sein. Denn das Gebäude hatte sich den Zorn propalästinensischer Gruppen zugezogen, weil es 2007 eine Galaveranstaltung beherbergte, mit der Geld für den israelischen Grenzschutz, die Magav, gesammelt werden sollte. Ein Jahr später kursierte im Internet ein Video vermummter Palästinenser, die von einer "Gala der Schande" sprachen und zum Schluss drohten: "Das nächste Mal kommen wir nicht, um zu reden." 2009 zog die Gala dann in ein jüdisches Gemeindehaus um.

Zwei Jahre später erfuhr der Geheimdienst laut der Zeitung "Le Figaro" von konkreten Anschlagsplänen gegen das Bataclan. Die Gruppe Jaish al-Islam, die als Al-Qaida-Ableger in den Palästinensergebieten gilt, soll das Konzerthaus ins Visier genommen haben, weil es einen jüdischen Besitzer hatte. Der hatte allerdings im September seine Mehrheitsanteile an den Medienkonzern Lagardère verkauft und war nach Israel ausgewandert. Auch die Gruppe Eagles of Death Metal war im September in Israel aufgetreten. Die Forderung des engagierten Pro-Palästinensers und Pink-Floyd-Mitglieds Roger Waters, das Land zu boykottieren, beantwortete Sänger Jesse Hughes mit "Fuck you".

"Es ist möglich, dass die sozialen Netzwerke unter den Dschihadisten das Image des Bataclan als ,zionistischer Saal‘ verbreiteten und zwar auf demselben antisemitischen und antizionistischen Nährboden, der schon Mohammed Merah und Mehdi Nemmouche zu ihren Anschlägen motivierte", sagte der Politologe Marc Hecker vom Institut für Internationale Beziehungen Ifri der Zeitung "Le Monde". Mohammed Merah hatte 2012 vier Menschen in einer jüdischen Schule in Toulouse getötet und Mehdi Nemmouche 2014 im jüdischen Museum in Brüssel einen Anschlag verübt.

Joël Touitou, der jüdische Ex-Besitzer des Bataclan, sieht am Freitagabend allerdings keine antisemitische Tat. "Wir waren Bühne für jüdische Sänger und jüdische Vereinigungen, das verschweigen wir nicht", sagte er dem israelischen Sender i24news. "Aber wenn sie wirklich Juden hätten töten wollen, hätten sie einen anderen Tag als den Freitagabend gewählt. Das war kein antisemitischer Akt." Für gläubige Juden beginnt am Freitagabend der Sabbat als Ruhe- und Gebetstag zu Hause. Touitou sieht ganz andere Gründe hinter dem Anschlag. So könnten die Attentäter das Bataclan ausgesucht haben, weil dort samstags Partys für Schwule und Lesben stattfinden. "Ich glaube nicht, dass der Koran für die Homosexualität ist."

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"Nach den Terroranschlägen auf mehrere Lokale in Paris rufen die französischen Restaurants, Cafés und Brasserien dazu auf, am Abend auszugehen und ein Zeichen zu setzen. Unter dem Motto "Tous au bistrot" ("Alle ins Bistro") sollten die Pariser am gestrigen Dienstagabend in den Lokalen zusammenkommen - zum Essen, zum Trinken, und um bei einer Schweigeminute um 21 Uhr der Opfer von Freitag zu gedenken. Bei den Anschlägen hatten die Attentäter zahlreiche Menschen in den Ausgehvierteln erschossen.