Aus folgenden Gründen: Das Initiatoren-Argument: Hinter dem Misstrauensantrag standen Rechtspopulisten wie Nigel Farage von der europafeindlichen britischen Partei Ukip und Marine Le Pen von der französischen Front National. Mit diesen Politikern wollen Europafreunde keine gemeinsame Sache machen - auch wenn der eine oder andere Linke eine schnelle Ablösung des Christdemokraten Junckers nicht ungern sähe.

Das Niederlage-Argument: Juncker war Spitzenkandidat der europäischen Volkspartei (EVP) bei der Europawahl und gilt als der erste EU-Kommissionschef, der zumindest indirekt von den Wählern ins Amt gebracht wurde. Hätte er zurücktreten müssen, hätten die Staats- und Regierungschefs wie einst hinter verschlossenen Türen einen neuen Kandidaten bestimmt.

Das Argument der Demokratisierung der Wahl wäre beschädigt worden. Das Lähmungs-Argument: Der Aufbau einer neuen EU-Kommission hätte Wochen, wenn nicht Monate gedauert und die Arbeit an wichtigen Gemeinschaftsprojekten gelähmt. Dazu gehört das 315 Milliarden Euro schwere Investitionspaket zur Konjunkturbelebung.

Das Kaum-Alternativen-Argument: Wer hätte auf Juncker folgen können? Auf diese Frage wussten Diplomaten in Brüssel keine Antwort. Im EU-Postenpoker muss stets ein Gleichgewicht zwischen Parteienlagern und Nationalinteressen gefunden werden. Junckers bei der Europawahl knapp unterlegener Rivale Martin Schulz von der SPD ist bereits zum Präsidenten des Europaparlaments gewählt worden.

Das Keine-Beweise-Argument: Es gibt keinen Beleg dafür, dass Juncker in seiner Zeit als luxemburgischer Ministerpräsident (1995-2013) wissentlich und mutwillig gegen EU-Regeln verstieß. Die Steuererleichterungen für Großkonzerne wie Ikea, Amazon, Pepsi, Apple oder Eon könnten anrüchig, aber legal gewesen sein.

Das Luxemburg-ist-überall-Argument: Das Großherzogtum ist bei weitem nicht das einzige EU-Land, das im Verdacht unfairer Steuerpraktiken steht. Staaten wie die Niederlande oder Irland sind ebenso im Visier von Wettbewerbshütern. Ihre Abgeordneten mussten befürchten, sich mit einem allzu harten Kurs gegen Luxemburg ein Eigentor zu schießen.

Das Geschichts-Argument: Bislang wurde kein einziger Misstrauensantrag gegen eine EU-Kommission angenommen. Der jüngste Vorstoß vor dem Fall Juncker erhielt 2005 nur 35 Stimmen bei 589 Gegenstimmen und 35 Enthaltungen. Urheber war auch damals Nigel Farage gewesen. Diesmal stimmten 101 Abgeordnete für den Vorstoß, 461 lehnten ihn ab und 88 enthielten sich.