Nicht fragen, hinschauen! So bringt es Peter Vogt, Pfarrer der Brüdergemeine in Herrnhut, auf den Punkt. Der Herrnhuter Stern spricht für sich selbst in seiner Ästhetik und Leuchtkraft.

"Weihnachtssterne gibt es inzwischen viele, aber unserer aus der Oberlausitz hat eine Jahrhunderte alte Tradition und er ist der Einzige, der komplett dreidimensional ist. Das lässt ihn von allen Seiten einzigartig schön strahlen", ist sich Jacqueline Schröpel von der Herrnhuter Sterne GmbH sicher. Die ostsächsische Manufaktur ist ein Unternehmen der Brüdergemeine. Seit mehr als 160 Jahren werden die Herrnhuter Sterne aus Papier in Handarbeit gefertigt.

Es gibt inzwischen 70 verschiedene Modelle, auch aus Kunststoff, in klassischem Weiß, Gelb, Rot oder in Farbkombinationen. Ursprünglich waren sie Weiß-Rot. Wie die Farben der Sakramente im christlichen Glauben der Brüdergemeine und wie die Farben von Cottbus. So ist es kein Wunder, dass der vielzackige Herrnhuter nicht nur in der "Haltestelle" der Brüder-Unität in der Cottbuser Straße der Jugend leuchtet, sondern die ganze Innenstadt in den vergangenen Wochen in ein tausendfaches Sternenmeer verwandelt hat.

Der ursprüngliche Stern misst im Durchschnitt 60 Zentimeter, hat 17 viereckige und acht dreieckige Zacken.

Im Kirchensaal der Brüdergemeine im Oberlausitzer Herrnhut hängt in diesem Jahr sogar ein Stern mit 110 Zacken. Reine Handarbeit. Entstanden zum ZDF-Fernsehgottesdienst am zweiten Advent. Gefertigt wurde er in der Gemeinschaft der Brüdergemeine. In rauen Zeiten ein Zeichen des Miteinanders setzend. "So einen Stern kann man nicht kaufen. Alles, was ungewöhnlich ist, muss man selbst bewerkstelligen", sagt Pfarrer Vogt, der in Königsfeld im Schwarzwald aufwuchs, eine Siedlung der Herrnhuter Brüdergemeine, und dort schon als Schüler des Zinzendorf-Gymnasiums erlernte, wie man diesen besonderen Stern bastelt. "Es ist nicht schwierig, aber mühevoll. Liebe und Geduld braucht es dafür und vor allem Zeit", sagt er. Für einen Zacken etwa zehn Minuten. Bei 110 Zacken kommen also viele Stunden zusammen, die man miteinander teilt, um Weihnachten aufleuchten zu lassen.

Auch wenn es nicht jedem gegenwärtig ist: Dabei handelt es sich ja im doppelten Sinne um ein christliches Symbol: ein Hinweis- und zugleich ein Hoffnungszeichen, wie Pfarrer Vogt bekräftigt: Er erinnert an den Stern von Bethlehem, der die drei Weisen zum Christkind führt. "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolget, der wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben", heißt es im Johannes-Evangelium.

Der Herrnhuter Stern hat eine besonders lange Tradition in der weihnachtlichen Sternenwelt. Die erste Variante wurde etwa Mitte des 19. Jahrhunderts in den Internatsstuben der Brüdergemeine gefaltet, erzählt Pfarrer Vogt. Ein findiger Mathematiklehrer wollte so wohl im Geometrieunterricht das räumliche Denken verbessern. Vor allem aber sollte der Stern den Kindern der Missionare die Trennung von ihren Eltern erleichtern, die ihre Ideen auf andere Kontinente trugen.

Dort funkeln bis heute Herrnhuter Sterne - in Sibirien genauso wie in Südafrika, Australien, Neuseeland, Dubai und in der Karibik. Und heutigen Herrnhuter Kindern kommen wohl auch die Einnahmen der Sterne GmbH mit zugute, engagiert sich doch die Brüder-Unität auch für ein Gymnasium in Herrnhut.

Am meisten ist der zackige Weihnachtsbotschafter noch immer in Deutschland gefragt. Für die Oberlausitzer, wie den Cottbuser Schulleiter Lothar Nagel, ist er ein Stück Heimat.

Aber auch im Bundeskanzleramt in Berlin hängt mit einem Durchmesser von zwei Metern fünfzig einer der größten Herrnhuter Sterne, die je in der Manufaktur gefertigt wurden.

Ein Zeichen der Hoffnung. Ein Lichtzeichen auch gegen den finsteren Terror.

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Die Nachfrageist ungebremst. Die Herrnhuter Sterne GmbH hat wie im vergangenen Jahr wieder 600 000 Sterne aus Papier und Kunststoff verschickt, so der Geschäftsführer der Herrnhuter Sterne GmbH, Oskar Scholz. Verließen vor zehn Jahren jährlich 150 000 Sterne Herrnhut, sind es nun viermal so viele. In der DDR waren sie Exportschlager und genossen Seltenheitswert. Die Manufaktur mit derzeit 130 Mitarbeitern gehört zur Herrnhuter Brüder-Unität, die Anfang des 18. Jahrhunderts von Glaubensflüchtlingen aus Böhmen und Mähren gegründet wurde. Bauanleitung unter www.herrnhuter-sterne.de