Steht Lafontaine vor einem Comeback in Berlin? "Natürlich werden wir es begrüßen, wenn er wieder antritt", meint Parteichef Bernd Riexinger auf die Frage, ob er sich über eine nochmalige Kandidatur Lafontaines für den Bundestag freuen würde.

Der Saarländer selbst hatte die Spekulationen kürzlich mit ein paar sybillinischen Bemerkungen angeheizt: "Ich habe mich noch nicht entschieden", schließlich gäbe es ja "viele Argumente, die man prüfen muss". Andererseits: "Vorbereiten muss ich mich nicht großartig."

Der amtierende Fraktionschef der Linken im saarländischen Landtag war von 2007 bis 2010 Parteivorsitzender und von 2005 bis 2009 gemeinsam mit Gysi Fraktionschef der Linken im Bundestag. Da bräuchte es tatsächlich keine größere Aufwärmphase mehr, um wieder bundespolitisch mitzumischen. Doch will Lafontaine das überhaupt?

Ein enger Vertrauter des Saarländers, der Fraktionsvize im Bundestag, Ulrich Maurer, sagt dazu, die Chancen stünden "fifty-fifty". Lafontaine werde dies "situationsabhängig" entscheiden. Andere, die ihn ebenfalls gut kennen, glauben zu wissen, dass Lafontaine derzeit an seiner Partei einiges nicht schmeckt. Stolze 11,9 Prozent der Stimmen fuhr die Linke bei der letzten Bundestagswahl ein. Derzeit dümpelt sie nur noch zwischen sechs und sieben Prozent. Dabei ist ihr Potenzial im Osten schon weitgehend ausgereizt. Ohne einen Sympathiezuwachs im Westen lässt sich dieser Wert allenfalls halten, aber nicht verbessern. Letzteres steht wegen der Stasi-Debatte um Gregor Gysi ernsthaft infrage. Lafontaine selbst stimmt zwar in den allgemeinen Parteichor ein, wonach die Vorwürfe gegen Gysi allzu durchsichtig und nichts Neues seien. Dafür redet sein alter Freund Heinz Bierbaum Klartext: "Es gibt eine Besorgnis." Eine Diskussion über Gysi brauche man jetzt wirklich nicht. "Sie tut uns nicht gut." Bierbaum ist ebenfalls Saarländer und Mitglied im Vorstand der Bundespartei.

Auch über manche Forderung der Parteispitze dürfte Lafontaine wenig glücklich sein. Wie etwa die nach einer absoluten Obergrenze für Spitzenverdienste, mit der Co-Parteichefin Katja Kipping für Aufregung gesorgt hatte. Die jüngsten Avancen seitens Riexinger & Co in Richtung SPD sind Lafontaine wohl ebenfalls ein Gräuel. Schließlich gilt er als harter Polarisierer gegenüber seiner vormaligen Partei. Obendrein war man sich noch unmittelbar nach der krachend verlorenen Niedersachsen-Wahl bei den Linken einig gewesen, derlei Anbiederei zu beenden und stattdessen das eigene Profil zu schärfen.

Lafontaines Gegner wiederum verweisen auf sein nicht eben jugendliches Alter - im September wird der Saarländer 70 - und darauf, dass ein mögliches Comeback die politischen Aufstiegschancen seiner Freundin Sahra Wagenknecht zwangsläufig schmälern würde. Der Frontfrau des linken Parteiflügels werden starke Ambitionen auf den Fraktionsvorsitz nachgesagt, was ihr alter Intimfeind Gysi bislang zu verhindern wusste. Doch auch dafür gibt es schon ein denkbares Szenario: Gysi und Lafontaine könnten noch einmal gemeinsam den Fraktionsvorsitz übernehmen, um nach der Hälfte der kommenden Wahlperiode auszuscheiden und den Platz für zwei Jüngere einschließlich Wagenknecht frei zu machen. Auch die SPD dürfte das weitere Schauspiel mit einer gewissen Spannung verfolgen. Denn falls der Saarländer doch noch einmal antritt, wären wohl alle rot-roten Spekulationen beendet.

Allzu viel Zeit bleibt Lafontaine für seine Entscheidung nicht mehr. Am 5. Mai wollen die Saar-Linken ihre Kandidaten-Liste für den Bundestag bestimmen. Spätestens dann muss er Farbe bekennen.