Wie laufen die Verhandlungen?

Tasneem Essop, Delegationschefin der Umweltorganisation WWF, formulierte es so: "Nach einigen Tagen mit Fehlstarts haben die Teilnehmer die Ärmel hochgekrempelt und angefangen zu arbeiten." Doch mahnt sie zur Eile. "Während das Gebäude brennt, versuchen die Verhandler hier den Feueralarm zu reparieren." Der Klimapolitikchef bei Greenpeace, Martin Kaiser, sieht eine sehr konstruktive Atmosphäre. "Aber das politische Momentum der positiven Ankündigungen der USA und Chinas ist noch nicht in die Verhandlungen übersetzt worden." In EU-Delegationskreisen spricht man von einem "sehr guten Start".

Was wird in Lima verhandelt?
Es geht um zwei zentrale Texte. Das informelle Non-Paper für ein Weltklimaabkommen, das Ende 2015 in Paris verabschiedet werden soll mit dem Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Unklar ist, ob es ein kompletter Text wird oder nur Elemente fixiert werden. Das zweite Papier ist die Decision Draft. Der Text soll Kriterien für nationale Klimaschutz-Verpflichtungen enthalten, die bis Ende März 2015 vorliegen sollen. Offene Fragen: Was sind die Basisjahre für die Reduktionsziele von Treibhausgasen? Ist die Finanzierung Teil der Verpflichtung? Was zählt als Verpflichtung und wie und in welchem Zeitraum werden sie überprüft?

Wo hakt es?
Unterschiedliche Positionen gab es am Wochenende bei Paragraf 17 der "Decision Draft", der Kriterien für nationale Verpflichtungsziele nennt. Südafrika machte sich für eine strengere Auslegung stark. China wollte den Passus über eine Bewertung der Zusagen am liebsten ganz streichen. Mitte der Woche stockten die Gespräche kurz, als die Entwicklungsländer eine "Zeile-für-Zeile"-Debatte über Textpassagen forderten. Das konnte gelöst werden. Traditionell schwierig ist das Thema Finanzen. "Das wird sicher bis zum Schluss umstritten bleiben", so die Leiterin der deutschen Delegation, Nicole Wilke.

Was wollen die Entwicklungsländer?
In den ärmsten Ländern sind die Auswirkungen von Wetterextremen am stärksten zu spüren, dabei sind sie am wenigsten verantwortlich für klimaschädliche Treibhausgas-Emissionen. Sie sehen die reichen Länder aufgrund ihrer zurückliegenden Umweltsünden in einer historischen Verantwortung. Die am wenigsten entwickelten Länder binden ihre Klimaschutz-Zusagen tendenziell an Finanzzusagen der Industrieländer, denn sie fürchten, dass sie Zusagen machen, bei der Finanzierung aber alleine gelassen werden. Die afrikanischen Länder legten einen eigenen Textentwurf zur Finanzierung vor, der diese Sicht hervorhebt.

Was wollen die Industrieländer?
Einige der sogenannten reichen Länder blockten diese Woche Versuche, weitere Finanzverpflichtungen in den Textelementen zu fixieren, was der Schweiz den von Klimaschützern vergebenen Preis "Fossil des Tages" einbrachte. Einige Industrieländer pochen zudem auf eine stärkere Gleichbehandlung von Staaten, die schon längst keine Entwicklungsländer, sondern inzwischen wichtige Schwellenländer seien, wie etwa China, Indien und Brasilien. Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig sieht die Industrieländer aber klar in der Pflicht, zu erklären, wie denn ab 2020 die jährlich zugesagten 100 Milliarden Dollar generiert werden sollen.

Wie geht es weiter?
Am heutigen Montag reisen die Minister an und am Dienstag startet das "High-Level-Segment". Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wird wie ihre Kollegen etwa drei Minuten vor dem Plenum sprechen. Auch US-Außenminister John Kerry wird erwartet. Die Minister müssen bei schwierigen Themen selbst Hand anlegen. Welche Wogen sie glätten müssen, ist noch nicht absehbar. "Ich bin mir aber sicher, wie ich die Klimaverhandlungen kenne, es wird genug für die Minister übrig bleiben", so Klimadiplomatin Wilke.