Seine schmucklose Praxis in der Nähe des Kurortes Karlovy Vary (Karlsbad) ist ganz auf die ausländische Kundschaft eingestellt. Ivan Martin beschäftigt sogar eine eigene Übersetzerin. So wie er bauen viele Ärzte in den neuen EU-Ländern auf Patienten aus Deutschland, die für sie ein gutes Geschäft bedeuten.
Der Gesundheitstourismus erlebt derzeit einen Boom. Mit dem Beitritt zur EU ist in Tschechien allein die Zahl der ausländischen Kurgäste sprunghaft gestiegen - um 75 Prozent innerhalb eines Jahres. Ähnliche Wachstumsraten verzeichnen Einrichtungen in Ungarn.
Für die Bewohner der grenznahen Regionen Tschechiens und Polens hat der Zustrom ausländischer Patienten aber auch seine Schattenseiten. Beim Zahnarzt müssen sie bisweilen mehrere Monate auf einen Termin warten - die Mediziner sind schlicht ausgebucht. "Es gibt einen dramatischen Zahnärztemangel hier im Land", sagt Jiri Pekarek, der Präsident der tschechischen Zahnärztekammer. Die Universitäten bildeten nicht genügend Nachwuchs aus, klagt sein Verband. Schon heute sei jeder zehnte Zahnarzt in Tschechien im Rentenalter.
Das hat Folgen - auch für die kleine Praxis von Ivan Martin. Er ist gemeinsam mit seinem Sohn, der vor knapp drei Jahren in die Praxis eingestiegen ist, für 4000 Patienten zuständig. "Manchmal muss ich zwei Monate auf einen Termin warten", sagt eine junge Frau, die mit ihrer Tochter im Wartezimmer sitzt. Etliche tschechische Zahnärzte nehmen neue Patienten wegen chronischer Überlastung nicht mehr auf.
Eine Ausnahme machen viele allerdings für Ausländer. Das habe finanzielle Gründe, räumt Martin ein. "Wenn ich einem Tschechen eine komplette Prothese einsetze, verdiene ich daran gerade einmal 30 Euro", sagt er. Das Geschäft mit den Deutschen ist für ihn lukrativ - genauso wie für die deutschen Patienten. "Ich brauche zwei Kronen und ein Inlay", sagt eine Münchnerin, die sich bei Martin behandeln lässt. "Bei meinem deutschen Zahnarzt hätte ich 2000 Euro zuzahlen müssen, hier sind es gerade einmal 500 Euro - da kommt man schon ins Überlegen!"
Nach einer europäischen Regelung müssen die gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten für eine Behandlung im Ausland den gleichen Betrag erstatten, den sie auch in Deutschland bezahlen würden. Vor allem bei Zahnarztbesuchen und Kuren kann sich der Weg ins Ausland also rechnen.
Das Risiko allerdings müssen die Patienten selber tragen. "Beim Garantieanspruch gilt das Recht des Landes, in dem der Arzt seine Praxis hat", sagt Reiner Kern von der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung. Die AOK Brandenburg vermittelt ihren Patienten über einen Kooperationspartner geprüfte Zahnärzte in Polen. Ein ähnliches System bietet die City BKK an. Heftige Kritik an den Kooperationen kommt von massenweise Abwanderungen ihrer Stammpatienten fürchten.