"Es gab überhaupt keinen Zwang, sich zu melden", versichert Oberfeldarzt Oliver Henke. Der Facharzt für Innere Medizin arbeitet als Oberarzt für Hämatologie und Onkologie im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin. Der Vater zweier Kinder hat sich bereit erklärt, für mehrere Wochen nach Westafrika zu fliegen, um sich am Kampf gegen das Ebola-Virus zu beteiligen.

"Ich möchte gern im Rahmen meiner Möglichkeit mithelfen, diese Krankheit einzudämmen", nennt Henke ein wichtiges Motiv für seine Einsatzbereitschaft. Den Menschen in den betroffenen Ländern müsse geholfen werden. Außerdem sei das auch eine fachliche und persönliche Herausforderung, so der 38-jährige Mediziner. Die Auslandszulage zum Sold während so eines Einsatzes spiele für seine Motivation, sich freiwillig zu melden, keine große Rolle.

Nach Auskunft des Sanitätsdienstes der Bundeswehr haben sich bisher rund 2700 Soldaten, Zivilangestellte und Reservisten für einen solchen Afrika-Einsatz freiwillig gemeldet. Rund 1500 Zivilisten haben ihre Einsatzbereitschaft beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) bekundet.

Als Oliver Henke, der aus Essen in Nordrhein-Westfalen stammt, sein Medizinstudium begann, stand für ihn noch nicht fest, dass er zur Bundeswehr gehen würde. Das habe sich nach dem Studium zufällig ergeben. Inzwischen habe er Gefallen an der abwechslungsreichen Arbeit als Bundeswehrarzt gefunden.

Mit seiner Entscheidung, zur Bundeswehr zu gehen, sei für ihn auch klar gewesen, dass damit Auslandseinsätze verbunden sind: "Ich freue mich nicht darüber, aber das gehört einfach mit dazu." Wenn Henke zu denen gehört, die für den Ebola-Einsatz ausgesucht werden, wird es nicht sein erster Auslandseinsatz sein.

2008 war der Internist in Afghanistan. Er begleitete Patrouillen, die aus dem Feldlager Kundus ausrückten. Die Versorgung gravierender Verletzungen durch Anschläge oder Angriffe sei ihm erspart geblieben. Ein Jahr später war er im Kosovo.

Für einen Einsatz im Ebola-Gebiet sieht sich Oliver Henke schon vor einer speziellen Schulung gut gerüstet. Unter kompletter Schutzkleidung zu arbeiten gehöre zur Ausbildung von Bundeswehrärzten.

Das Ansteckungsrisiko sei bei Einhaltung der Schutzmaßnahmen beherrschbar. Wie groß es sei, werde auch von der Art des Einsatzes abhängen. "Wir wissen noch nicht, was wir machen sollen, das Einsatzkonzept ist noch in Arbeit", sagt Henke.

Bisher sei nur klar, dass die Bundeswehr eine Isolierstation mit 50 Betten errichten und das dafür nötige Personal stellen soll.

Die Bundeswehr geht davon aus, dass dafür 160 Ärzte und Pfleger benötigt werden, die nach wenigen Wochen abgelöst werden, um sich zu erholen.

"Wir müssen da schon einen größeren Personal-Pool vorrätig halten, um das auch längerfristig abzusichern", sagt Oberstleutnant Matthias Frank, Sprecher im Informationszentrum des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in Koblenz. Wann der Einsatz startet, kann er jedoch noch nicht sagen. Es könne noch einige Wochen dauern.

Die Isolierstation der Bundeswehr sei nur Teil eines Gesamtkonzeptes für 300 Isolierbetten, die Deutschland mithilfe von DRK und anderen Organisationen in Westafrika einrichten will. Koordiniert werde der gesamte Einsatz vom Auswärtigen Amt der Bundesregierung, so Frank. Unabhängig vom Start der Hilfsaktion werde die Bundeswehr jedoch am 20. Oktober anfangen, Ärzte und Pfleger auf den Einsatz vorzubereiten.

Von der Bundesregierung wurde inzwischen ein Ebola-Beauftragter eingesetzt. Der soll "unverzüglich" von seinem jetzigen Job als Botschafter in Venezuela nach Berlin zurückkehren und dort die Koordination des deutschen Ebola-Einsatzes in Afrika übernehmen.

Am vorigen Donnerstag meldete die Weltgesundheitsorganisation erstmals, dass die Zahl der Neuinfektionen leicht zurückgegangen sei. Doch die Hoffnung auf ein Abebben der Epidemie war verfrüht. Am Wochenende stiegen die Zahlen der Ebola-Toten und Neuinfektionen in Sierra Leone wieder deutlich an.

Oberfeldarzt Oliver Henke in Berlin wartet derweil geduldig, ob er für den Afrika-Einsatz angefordert wird. Wenn er nicht gebraucht werde, sei das auch nicht schlimm: "Dann kommt irgendwann wieder ein anderer Auslandseinsatz."