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Warten auf das zweite Gleis Lübbenau-Cottbus

Umstieg in Cottbus. Nicht immer klappt der Anschluss vom Regionalexpress 2 aus Berlin in Richtung Sachsen reibungslos.
Umstieg in Cottbus. Nicht immer klappt der Anschluss vom Regionalexpress 2 aus Berlin in Richtung Sachsen reibungslos. FOTO: Ch.Taubert
Vetschau/Cottbus. Der Bahnverkehr in der Lausitz hat einen Konstruktionsfehler: Zwischen Lübbenau und Cottbus gibt es nur ein Gleis. Von diesem Nadelöhr hängen alle Zugverbindungen zwischen Berlin, Cottbus und Görlitz bis nach Polen ab. Wann aber kommt das zweite Gleis? Christian Taubert

Seit dem 11. Dezember 2011 kann der Regionalexpress (RE) 2 zwischen Cottbus und Berlin mit Tempo 160 verkehren. Mehr als 200 Millionen Euro wurden in die Modernisierung der Strecke investiert. Anstatt von Cottbus aus 20 Minuten schneller in der Hauptstadt zu sein, merkten vor allem Pendler, dass der RE 2 viel zu oft nicht halten konnte, was er versprach. Verspätungen gehörten zur Tagesordnung.

In der Folge haben Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und Land Brandenburg an vielen Stellschrauben gedreht, um die Pünktlichkeit zu verbessern. Die auf dieser Strecke verkehrende Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) wurde letztlich in ein Fahrplankorsett gepresst, das von Experten zwar als viel zu eng angesehen wird, was aber Verbesserungen brachte. Ein "Schräubchen" war die temporäre Schließung der Haltepunkte Raddusch, Kunersdorf und Kolkwitz.

In den zurückliegenden zwei Jahren steigerte sich die Pünktlichkeitsquote des RE 2 von 75 auf 90 Prozent. Doch die mit rund 340 Kilometern längste RE-Linie im VBB zwischen Cottbus und Wismar hat einen Konstruktionsfehler. "Für die endgültige Lösung brauchen wir das zweite Gleis", konstatierte Referatsleiter Hartwig Rolf aus dem Potsdamer Verkehrsministerium jüngst im Vetschauer Bürgerhaus. Jener zweite Schienenstrang, der zwischen Lübbenau und Cottbus fehlt, ist seit fünf Jahren in aller Munde.

Da in wenigen Wochen aber der neue Bundesverkehrswegeplan (BVWP) bis 2030 vom Bundestag verabschiedet wird und das Lausitzer Schienenprojekt weit von einem vordringlichen Bedarf entfernt ist, hat Brandenburgs einzige grüne Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock der Debatte "Wann kommt das zweite Gleis?" in Vetschau noch einmal Zündstoff verliehen. Aus ihrer Sicht bedarf es einer konzertierten Aktion aller für die Lausitz im Bundestag sitzenden Parlamentarier aus Brandenburg und Sachsen, dieses Projekt auf die Schiene zu bringen.

Ob dies noch gelingt, ist fraglich. Doch Brandenburgs Infrastruktur-Ministerin Kathrin Schneider (SPD) hat zumindest dafür gesorgt, dass die Lausitz für Nachverhandlungen ein Pfund in die Hand bekommt. Sie hat 2,4 Millionen Euro dafür in die Hand genommen, um mit der Bahn fertige Planungen für das zweite Gleis von Lübbenau bis Cottbus bis 2018 vorzulegen. Ein Ausbau bis 2023 wäre danach möglich. Doch damit ist noch kein Geld des Bundes für den Bau in Sicht.

Aber das war es vor 2009 auch nicht. Und plötzlich legte der Bund infolge der Bankenkrise ein Konjunkturpaket auf, das nur derjenige in Anspruch nehmen konnte, der fertige Planungen in der Schublade hatte. Brandenburgs damaliger Verkehrsminister Frank Szymanski (SPD) "zauberte" die Modernisierung von Cottbus-Berlin hervor und erhielt Zuschlag und Finanzen. Die Zweigleisigkeit für Lübbenau-Cottbus war damals allerdings von der Bahn nicht für notwendig erachtet worden - aufgrund der prognostizierten Fahrgastzahlen.

Eine Fehleinschätzung, wie heute nicht nur die in den Gängen und auf den Treppenstufen des RE 2 sitzenden Fahrgäste wissen. In Vetschau macht der Verkehrsexperte der IHK Cottbus, Jens Krause, zugleicht klar: "Wir müssen die Lausitz auch auf der Schiene im Komplex betrachten." Neben dem zweiten Gleis habe der RE 2 noch im Bahnhof Königs Wusterhausen mit nur einem Fernbahnsteig Nachholbedarf. Wie die Bahn ab 2022 auch auf dieser Strecke in die Fernverkehrs-Offensive gehen wolle, sei bisher völlig unklar.

Und der Landeschef des Fahrgastverbandes pro Bahn, Dieter Doege, fügt hinzu: "Wer auf dem Streckenabschnitt Cottbus-Görlitz elektrif izieren will, ohne die Probleme des RE 2 zuvor zu beseitigen, springt zu kurz." Aus Doeges Sicht braucht diese Regionalexpress-Linie eine völlig neue Planung. Dazu gehöre für ihn, den Zug in Berlin zu splitten, um den Verspätungen zwischen Ostbahnhof und Königs Wusterhausen entgegenzuwirken. Denn dort werde der RE 2 als schnellere S-Bahn genutzt. Zulasten der Lausitz-Pendler.

Am Ende blieben in Vetschau viele Fragen offen. Das trifft auch auf die drei Haltepunkte Raddusch, Kunersdorf und Kolkwitz zu. Entgegen den Ankündigungen aus Potsdam ist zurzeit unklar, ob dort schon 2018 wieder durchgängig Züge halten. Zum Ärger der Bürgerinitiativen, die die Ministerin allerdings immer wieder daran erinnern werden.

Zum Thema:
Der neue Bundesverkehrswegeplan ist das stärkste Investitionsprogramm für die Infrastruktur, das es bisher gegeben hat. Das sagt der Brandenburger CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen, der Mitglied des Verkehrsausschusses und Berichterstatter seiner Fraktion ist. Rund 264,5 Milliarden Euro sollen bis zum Jahr 2030 für die Modernisierung, Vernetzung, Beschleunigung der Mobilität und die Engpassbeseitigung investiert werden. Dem Grundsatz "Erhalt vor Neubau" folgend fließen 69 Prozent des Gesamtvolumens in die bestehende Infrastruktur. In der Folge sei laut Koeppen jetzt das Land Brandenburg gefordert. Spätestens nach Verabschiedung der Ausbaugesetze Ende des 2016 liege der Ball bei den Ländern. Klar sei: Nur wer plant und baureife Projekte vorweist, bei dem wird auch investiert.