Über eine hitzige Diskussion über Sinn oder Unsinn des Braunkohleabbaus in einer geschützten Kulturlandschaft kamen beide Seiten nicht hinaus. Unverrichteter Dinge begaben sich die Vattenfaller wieder nach Cottbus, die Robin Wood-Leute auf die Bäume. Auf neun selbst gezimmerten Plattformen erwarten sie dort das Räum-Kommando der Polizei.
Es waren erbitterte Streitgespräche wie das zwischen Robin Wood-Sprecher Alexander Gerschner und Vattenfall-Betriebsratschef Steffen Erbe, die am Nachmittag geführt wurden: „Die Teiche sind eine Kulturlandschaft, da hängen ganze Generationen dran. Die wollt ihr für kurzfristigen Profit zerstören.“ - „Bei Vattenfall arbeiten viel mehr Leute als von Abbaggerung betroffen sind. Die Betroffenen werden gut entschädigt. Außerdem ist die Alternative für Braunkohle der Import von Atomenergie aus unsicheren Kraftwerken.“ - „Braunkohle ist ersetzbar. Es gibt genug andere Energieträger. Schließlich kann man auch noch viel Energie sparen.“ - „Fährt denn nur einer von euch jetzt weniger Auto als früher?“ - „Ich habe kein Auto.“
Am Vormittag hatte Vattenfall noch in sein Cottbuser Verwaltungsgebäude geladen, um bei einer Pressekonferenz um Verständnis zu werben. Verständnis dafür, dass der Geduldsfaden gerissen ist. Zehn Tage bereits, so Vattenfall-Vorstandssprecher Reinhard Hassa, würden die Baumbesetzer rechtswidrig die Vorbereitungsarbeiten für die Abbagerung der Teiche behindern. Gespräche und schriftliche Hinweise hätten nichts bewirkt.
Nun sitze dem Konzern die Zeit im Nacken. Mitte Oktober erreiche die Förderbrücke den Sicherheitsbereich, in dem Robin Wood die Bäume besetzt. Das Areal muss zuvor abgeholzt, die Teiche trocken gelegt werden. Rund 80 Mitarbeiter, ergänzte Bergbauplanunugsleiter Detlev Dähnert, wären Tage lang ohne Arbeit, wenn die Förderung ins Stocken gerät.
Anzeige wegen Hausfriedensbruch, habe Vattenfall bereits erstattet, so Vorstandssprecher Hassa weiter. Damit hat die Polizei die Handhabe, die Umweltaktivisten von den Bäumen zu holen. Vattenfall wie auch Robin Wood halten die Räum-Aktion für nicht ungefährlich. „Wenn es so weit ist, entscheidet jeder von uns selbst, ob er seinen Platz verlässt oder nicht“ , so Ute Bertrand von Robin Wood. Polizeisprecherin Kati Prajs machte keine Angaben darüber, wann die Räumaktion startet. Nach RUNDSCHAU-Informationen soll das heute sein.