"Es wollen mehr Gefangene arbeiten, als es Arbeitsplätze gibt." Deshalb gebe es im Vollzug Wartelisten. Ursache für die Situation sei ein Mangel an Räumen. Dies lasse sich vielerorts aufgrund der baulichen Bedingungen nicht ändern. Das ist aber nur eine Facette aus den Anforderungen an die sächsische Justiz:

Gefängnisse und Strafgefangene: Anfang 2016 gab es in neun Justizvollzugsanstalten (JVA) 3814 Haftplätze, darunter 264 im offenen Vollzug. Zum 1. August befanden sich dort 3427 Männer und Frauen in Haft, darunter 28 als Sicherungsverwahrte. Damit sind die Gefängnisse zu 89,9 Prozent ausgelastet. Bei 90 Prozent spricht man von einer vollen Auslastung. Justizminister Sebastian Gemkow spricht von einer "angespannten Situation".

Prognosen zum Vollzug: Sachsen hatte aufgrund einer sinkenden Einwohnerzahl weniger Haftplätze in den kommenden Jahren vorgesehen. Mit dem benachbarten Freistaat Thüringen ist eine gemeinsame JVA in Zwickau-Marienthal geplant, die 2019 fertig sein soll. Im Gegenzug wollte Sachsen die Anstalt in Zwickau und das Gefängnis Zeithain schließen.

Ausländische Straftäter: Zum 1. August saßen 811 Ausländer in den sächsischen JVA. Das waren 23,7 Prozent aller Strafgefangenen. Der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung ist viel niedriger. Damit hat Sachsen im Vergleich zu anderen ostdeutschen Bundesländern die höchste Quote an ausländischen Gefangenen. Im Frühjahr 2009 lag diese noch bei 13,7 Prozent. Gemkow sieht den Trend im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise. Zudem verweist er auf die Grenznähe zu Tschechien und Polen. Laut Statistik stammen die meisten Gefangenen mit ausländischen Wurzeln aus Tunesien (124), gefolgt von Polen (115), Tschechien (99) und Marokko (53).

Statistik der Strafverfolgung: 2015 wurden 42 343 Menschen wegen einer Straftat von einem Gericht verurteilt. Die Verurteilungsquote lag bei 81 Prozent. Ein Großteil der Straftaten machen Vermögens- und Eigentumsdelikte (51,3 Prozent) aus. Zwölf Prozent der Verurteilten mussten sich wegen einer "Straftat gegen die Person" verantworten. Darunter verstehen Juristen Mord (drei Fälle), Totschlag (14) oder Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (351).

Personal: Anfang 2016 waren an Gerichten und Staatsanwaltschaften Sachsens 7894 Bedienstete tätig, darunter 1003 Richter und 346 Staatsanwälte.