Warnstreik statt Unterricht: Die sächsischen Lehrer legen am Mittwoch die Arbeit nieder und wollen damit Druck auf die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst machen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) rechnet mit einer hohen Beteiligung und geht davon aus, dass an etwa 75 Prozent der Schulen im Freistaat kein regulärer Unterricht erfolgt.

Ende Februar waren die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder im Potsdam vorerst gescheitert. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 16. und 17. März anberaumt. Die Gewerkschaften fordern unter anderem 5,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 175 Euro mehr. Sie werfen den Arbeitgebern vor, statt einer Erhöhung der Gehälter Einschnitte bei der Altersvorsorge anzustreben.

Der Sächsische Lehrerverband macht geltend, dass die Lehrer nicht nur in eigener Sache auf die Straße gehen. „Wenn die Lehrer streiken, streiken sie nicht nur für sich selbst, sondern auch für attraktive Arbeitsbedingungen, die den dringend benötigten Lehrernachwuchs nach Sachsen lenkt“, sagte der Vorsitzende Jens Weichelt.

Der sächsische Finanzminister Georg Unland (CDU), der zu den Verhandlungsführern auf Seiten der Arbeitgeber zählt, lehnt die Forderungen ab. „Alles in allem haben die Gewerkschaften Mehrkosten von über 390 Millionen Euro pro Jahr angemeldet - das ist für den Freistaat nicht zu finanzieren.“

Von der aktuellen Tarifrunde sind in Sachsen insgesamt 113 358 Beschäftigte im öffentlichen Dienst betroffen, darunter 83 376 Arbeitnehmer und 29 982 Beamte. Davon entfallen rund 31 800 Arbeitnehmer auf den Bereich Schule, bei den Beamten sind es mit 1100 Beschäftigten deutlich weniger.

Ist vor allem in den westlichen Bundesländern ein Großteil der Lehrer verbeamtet, ist es in Sachsen genau andersherum: Nur etwa drei Prozent der Lehrer sind Beamte, die anderen Pädagogen werden nach den umstrittenen Entgeltgruppen bezahlt. Nur in Mecklenburg-Vorpommern liegt die Arbeitnehmerquote laut GEW mit etwa 100 Prozent noch höher.

Laut einer aktuellen Entgelttabelle des Beamtenbundes dbb steigen Grundschullehrer in Sachsen mit einem Einkommen von 2 895 Euro (brutto) pro Monat ein (E11). Ebenso die Lehrer an den Mittelschulen, die nach mehreren Jahren aber in eine höhere Stufe (E13) aufsteigen können. Lehrer an Förderschulen, Berufsschulen und Gymnasien verdienen am Anfang ihrer Karriere 3345 Euro pro Monat (E13).