Denn den Umfragen zufolge steht längst fest: Die einstige First Lady der USA wird ihren Sitz im einflussreichen Senat nach sechs Amtsjahren mit Bravour verteidigen und ihren republikanischen Herausforderer John Spencer haushoch schlagen. Einen Vorsprung von 65 zu 30 Prozent der Stimmen sagen die Meinungsforscher der 59-jährigen Demokratin voraus. Dennoch kämpft die Powerfrau in ihrem Wahlrevier New York wie um ihr Leben. Denn die Entscheidung am nächsten Dienstag ist das Sprungbrett für ihre mögliche Präsidentschaftskandidatur 2008 - auch wenn sie sich bisher noch nicht dazu erklärt hat.

Herausforderer wenig bekannt
Umgerechnet fast 23 Millionen Euro hat Hillary Rodham Clinton - so ihr eingefügter Mädchenname - während der laufenden Parlamentsperiode in diesen Wahlkampf gesteckt; ihr wenig bekannter Herausforderer konnte gerade mal 4,2 Millionen Dollar ausgeben. Und zu ihrem 59. Geburtstag am vergangenen Donnerstag wünschte sie sich von ihrem Mann Bill Clinton, dem immer noch populärsten Politiker der USA, nur eins: "Unterstütze uns im Wahlkampf."
Je besser die Senatorin bei der Kongresswahl abschneidet, desto größer sind ihre Chancen im Kampf um das Weiße Haus. Mit einem Rekordergebnis am 7. November könnte sie manchen Zweifler in den eigenen Reihen überzeugen, dass sie trotz ihres Rufs als linke Frauenrechtlerin auch die bodenständige Klientel in den ländlichen Gebieten des Bundesstaats New York an sich binden kann - ein wichtiges Signal, um als Präsidentschaftskandidatin auch landesweit ein ausreichend breites Wählerspektrum anzusprechen.
Politische Beobachter fühlen sich bei Clintons umtriebigem Wahlkampf an die Zeit erinnert, als der heutige US-Präsident George W. Bush 1998 mit einem Erdrutschsieg bei der Gouverneurswahl in Texas den Boden für seine Kür zum Präsidentschaftskandidaten bereitete. Clinton versichert allerdings vorerst gebetsmühlenhaft, nur die Senatswahlen, nicht aber das Weiße Haus im Auge zu haben: "Ich kann jetzt keine Entscheidung treffen und ich habe noch keine Entscheidung getroffen."
Ihr Herausforderer Spencer, ein Vietnam-Veteran und früherer Bürgermeister, wirft ihr dagegen vor, sie wolle aus persönlichem Ehrgeiz schon nach zwei von sechs Senatsjahren fahnenflüchtig werden. "Ich glaube, sie benutzt uns als Fußabstreifer", kritisierte er in einem der beiden sonst eher gemächlichen Fernsehduelle. Auch vor schwererem Geschütz schreckte Spencer nicht zurück: Ein Reporter der "New York Daily News" zitierte ihn mit der Behauptung, Hillary Clinton habe "Millionen von Dollar" für Schönheitsoperationen gebraucht. "Haben Sie mal ein Bild von ihr früher gesehen? Ich weiß nicht, warum Bill sie geheiratet hat."
Mehr Sorge als ihr Äußeres dürfte der gepflegten Juristin aber die jüngste Ankündigung ihres Parteifreundes Barack Obama machen, er denke über eine Präsidentschaftskandidatur nach. Für Clinton, die bisher unangefochtene Nummer eins unter den demokratischen Favoriten, wäre das eine ernsthafte Gefahr: Der charmante 45 Jahre alte Afroamerikaner könnte mit seinem klaren Nein zum Irak-Krieg eine echte Alternative zu ihr werden, nachdem sie die Parteilinken mit ihrer Unterstützung für den Krieg vor den Kopf gestoßen hatte.

Kärrnerarbeit für New York
Zwar lässt die erfahrene Anwältin seit ihrem fulminanten Wahlkampfstart im Juni bewusst neue Töne anklingen: "Wenn wir damals (zu Beginn des Irak-Krieges) gewusst hätten, was wir heute wissen, hätte es nie diese Zustimmung gegeben und nie diesen Krieg." Respekt bei den Wählern vor Ort hat sie sich aber vor allem durch ihre Kärrnerarbeit für New York verschafft. Sie kümmert sich um Grippeimpfungen und vom Abriss bedrohte Häuser, um die Spätfolgen des 11. September und ein besseres Gesundheitssystem. Nicht jeder hätte der einstigen First Lady zugetraut, dass sie sich nach acht Jahren im Weißen Haus und dem zermürbenden Schauspiel um die Sexaffäre ihres Mannes so engagiert in die "kleine" Politik einbringt.
Vielleicht trägt der Rückhalt aus New York wirklich so weit, dass die Familie Clinton den Weg an die Macht nochmals mit vertauschten Rollen aufnehmen kann - sie als womöglich erste Frau an der Spitze der Vereinigten Staaten und er als erster "First Gentleman" der US-Geschichte.