Für norddeutsche Verhältnisse deftig ging es in Demmin (Mecklenburg-Vorpommern) zu, dem Wahlkreis der CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel. Abgesehen von einigen Seitenhieben auf den Bündnispartner gab sie sich aber staatstragend. Deutschland werde aus der Krise, wenn alle zusammenstünden, gut herauskommen. Wie viele andere Parteigrößen kritisierte auch Merkel hohe Bonuszahlungen an Manager, deren Firmen schlecht gewirtschaftet haben.Seitenhiebe aus dem NordenDie SPD-Spitze hatte diesmal um Bayern einen weiten Bogen gemacht. Ähnlich wie die Kanzlerin war die Parteiprominenz in den Norden ausgeschwärmt, um den ersten Tag der Fastenzeit für den Vorwahlkampf zu nutzen. Aus Niedersachsen kamen derbe Seitenhiebe auf die Berliner Koalitionspartner CDU und CSU. Angesichts der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise hielt sich Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier dagegen mit aggressiven Rundumschlägen zurück."Das schwarze Durcheinander schadet unserem Land", zeigte sich Steinmeier vor 1500 Anhängern in der Karnevals-Diaspora Cuxhaven überzeugt. Auch die CDU-Kanzlerin bekam vom Vize-Kanzler in der gut gefüllten Kugelbake-Halle ihr Fett weg. Statt die Richtlinien der Politik zu bestimmen, lasse es Angela Merkel zu, "dass ihr die bayerischen Landesfürsten auf der Nase herumtanzen". Ein Skandal sei es, wie sich die Union weiter bei den Mindestlöhnen querlege. "Wir brauchen eine Absicherung nach unten, damit der Abstand in der Gesellschaft nicht noch größer wird", forderte Steinmeier bei seiner politischen Aschermittwochs-Premiere in seiner früheren niedersächsischen Wahlheimat.Ansonsten kamen die lautesten Töne der Veranstaltung von der Schülerband "Deine Mutter. Der SPD-Spitzenmann hielt sich weitgehend an seine Linie, eher staatsmännisch aufzutreten. An die Parteifreunde im Saal, die mit Bratkartoffeln und Matjes verköstigt wurden, appellierte Steinmeier, sich nicht von den schlechten Umfragen entmutigen zu lassen. Das Jahr 2009 werde für die SPD "ein Jahr voller Überraschungen", versprach er vielsagend mit Blick auf die anstehenden Wahlen.Sticheleien aus SüdwestAuch SPD-Chef Franz Müntefering knöpfte sich den Koalitionspartner vor. Die Union sei nicht mehr in der Lage, das Land verantwortlich zu regieren, stichelte der Parteichef bei der Kundgebung der Südwest-SPD in Ludwigsburg. Das habe man 2005 nicht vorhersehen können. Immer deutlicher werde, dass Merkel sich nicht gegen CSU-Chef Horst Seehofer durchsetzen könne.