Immer mehr Kraniche verbringen den Winter in Brandenburg, anstatt weiter nach Süden zu ziehen. Im Winter des vergangenen Jahres sind nach Angaben des Kranich-Informationszentrums in Groß Mohrdorf (Mecklenburg-Vorpommern) mindestens 5000 der Zugvögel wegen des wärmeren Klimas über die kalte Jahreszeit in Brandenburg geblieben. Ende der 90er-Jahre habe noch kein Kranich in Deutschland überwintert. Für diesen Winter gebe es noch keine Zahlen. Unklar sei, wie viele Tiere in Brandenburg bei sinkenden Temperaturen doch weiterflögen.

Auf ihrer Reise gen Süden rasten Jahr für Jahr auch Tausende Kraniche und Gänse in der Luckauer Region. Am Tage sind die Vögel auf Äckern und Wiesen unterwegs. In großen Scharen fliegen sie dann bei Sonnenuntergang zu ihren Schlafplätzen am Schlabendorfer See.

Das Heinz Sielmann Natur-Erlebniszentrum Wanninchen in unmittelbarer Nähe zum Spreewald bietet hierzu vornehmlich im Oktober Führungen an. Die Stiftung umfasst mehr als 3000 Hektar ehemaliger Tagebauflächen. Wo einst Kohle abgebaut wurde, ist inzwischen eine reizvolle Landschaft mit Wäldern, Seen und Dünen entstanden. Hier finden nicht nur Kraniche, sondern auch Uferschwalben, Wiedehopfe und weitere seltene Arten einen neuen Lebensraum.

Die Kraniche hätten sich an die höheren Temperaturen mit weniger Schnee angepasst, so das Kranich-Informationszentrum in Groß-Mohrdorf. Sie seien zwar nicht kälteempfindlich, fänden aber auf abgeernteten Mais-Feldern ohne geschlossene Schneedecke genügend Futter. Die bis zu 1,20 Meter großen Vögel ernähren sich unter anderem von Insekten, Schnecken, Getreide- und Maiskörnern und Würmern. Die Kraniche, die bleiben, ersparen sich die Risiken des weiten Flugs wie Verletzungen an Strommasten oder Windrädern. Außerdem kommen sie schneller an ihre Brutplätze zurück.

In der Vergangenheit sind Kraniche von Brandenburg aus bis nach Nordafrika geflogen. Inzwischen peilten die Zugvögel lediglich Frankreich oder Spanien an - oder blieben gleich in Deutschland, sagt Beate Blahy von der Arbeitsgemeinschaft Kranichschutz in Brandenburg vom Naturschutzbund (Nabu). Bei Schnee würden die Vögel süd- oder westwärts weiterfliegen, bis sie in Gebiete mit genügend Nahrung kämen. In Deutschland leben inzwischen deutlich mehr Kraniche als um die Jahrtausendwende: Die Population ist im vergangenen Jahr nach Angaben des Kranich-Informationszentrums auf rund 8500 Kranichpaare gestiegen. 2003 waren es noch rund 4500 Paare.