Wer an das Ruhrgebiet denkt, dem kommen allzu oft noch immer pechschwarze Kohle, glühender Stahl und qualmende Schlote in den Sinn.

Wer sich dennoch ins Revier verirrt, die Metropole, ihre grünen Großstädte und modernen Lebensräume in den ländlichen Gegenden mit seinen eigenen Augen begreift, der denkt ganz schnell um.

Der Bergbau, einst Motor der gesamten Region, ist ökonomisch zur Nebensache geworden. Ökologisch hat die Natur zurückerobert, was schon immer ihr gehörte: Aufgegebene Industriebrachen bieten heute neue Lebensräume für Tier- und Pflanzenwelt. Wirtschaftlich boomt es im Dienstleistungssektor. Einige der größten deutschen Unternehmen und DAX-Konzerne sind in der Region zu Hause: RWE, ThyssenKrupp, Evonik Industries, Hochtief. Nirgendwo sonst gibt es so viele Universitäten, Fachhochschulen und Weiterbildungsinstitute auf so engem Raum. Kokereien, Zechen und Werkshallen von einst ziehen heute mit Design, Kunst, Kultur und außergewöhnlicher Architektur jährlich Millionen von Touristen an Rhein und Ruhr. Das Revier tief im Westen des Landes hat den Strukturwandel positiv und als Chance für sich begriffen. Ich bin mir sicher: Das kann die Lausitz auch. Sie muss es nur wollen.

Nutzt den guten Ruf des Spreewalds. Warum sollte er nicht 2030 als das "Frankreich des Ostens" unter den Gourmets gelten? Mit Spreewaldkoch Peter Franke, der auf Bio pur und Individualität im Kochtopf setzt, seid Ihr auf dem besten Weg dorthin! Touristisch gesehen sind es genau solche Juwele, die einer Region Charakter verleihen. Es sind die Ecken und Kanten, die begeistern. Doch wiederholt nicht unsere Fehler: Reißt nicht ab, was nicht mehr zeitgemäß scheint. Setzt nicht alleine auf Neues, sondern auf den Einklang von Tradition und Moderne. Entwickelt Eure Region, Eure Radwege- und Wanderroutennetze, doch fangt in Euren Köpfen an: Ja, die Ungewissheit, was aus den Arbeitsplätzen, dem eigenen Dorf und der Stadt wird, sorgt bei vielen sicher für Unbehagen und Angst. Jobs in Industrie und Bergbau verschwinden, doch es entstehen zugleich neue - in Wirtschaftsbereichen, die Zukunft haben. Begreift den Wandel im Energiesektor als Motor für die Region: Sonne, Wasser und Wind gehört die Zukunft. Ihr habt die Flächen und das Know-how, wenn es um Energie geht. Macht was daraus! Auch wenn es Durststrecken gibt. In manchen Städten und Gemeinden sind wir noch mittendrin. Um den Strukturwandel zu meistern, braucht es Menschen, die optimistisch in die Zukunft blicken. Es braucht Menschen, die andere Wege gehen. Und es braucht Menschen, die stolz sind auf ihre Region, die Selbstbewusstsein ausstrahlen und sich auch mal etwas wagen - als Manager, Unternehmer oder "kleiner Mann" von nebenan. Macht was aus der schönen Lausitz. Nutzt die Zeit bis 2030!

Zum Thema:
Pascal Hesse lebt und arbeitet als freier Journalist im Ruhrgebiet. Als Redakteur und Kolumnist der INFORMER Magazine, dem auflagenstärksten Lokalmagazin in der Stadt Essen, begleitet er die Entwicklung der Region. Als Reisejournalist ist er in Deutschland, Europa und der Welt unterwegs. Sein journalistisches Handwerk hat der 28-Jährige bei der "Neuen Ruhr Zeitung" (NRZ), der Wochenzeitung "Borbecker Nachrichten" sowie im "Journalisten-Zentrum Haus Busch" in Hagen erlernt. Ende Januar hat die LAUSITZER RUNDSCHAU ihre große Zukunftsserie "Lausitz 2030" gestartet. Seither haben viele Gastautoren aufgezeigt, wie die Lausitzer in 15 Jahren leben werden. Mischen auch Sie sich ein: www.lr-online.de/lausitz2030