Das monatelange Tauziehen um den Bau der Waldschlöss chenbrücke durch das Unesco-geschützte Dresdner Elbtal findet in der nächsten Woche ein Ende. Am Mittwoch will das Sächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) in Bautzen seine Entscheidung über die Zukunft des Großprojekts verkünden, die womöglich den Verlust des Welterbetitels bedeutet. Seit August gilt ein vorläufiger Baustopp, weil die Brücke die Fledermausart Kleine Hufeisennase gefährden könnte. Während Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) Zugeständnisse beim Aussehen der Brücke machte, schlagen die Naturschützer weiter Alarm: Sie bezweifeln ein Fledermaus-Gutachten, das den Weg für den Bau frei machen soll.
Das OVG überprüft im Eilverfahren eine Beschwerde des Freistaats Sachsen gegen einen Beschluss des Verwaltungsgerichts Dresden. Dieses hatte am 9. August die Bagger wieder zurückgeschickt. Grund: Es sei nicht auszuschließen, dass die geplante vierspurige Brücke die unter Naturschutz stehende Fledermaus bedrohe. Von der Kleine Hufeisennase, die ausgewachsen neun Gramm wiegt, etwa vier Zentimeter groß ist und eine Flügelspannweite von 20 Zentimetern hat, sollen in Sachsen noch 700 Exemplare herumschwirren.
Allerdings nicht da, wo die Brücke geplant ist, glaubt man dem Fledermaus-Gutachten, das das Dresdner Regierungspräsidiums dem OVG vorgelegt hat. "Es gibt die Kleine Hufeisennase in der Stadt und Region, am Standort der Waldschlößchenbrücke ist sie aber nicht nachgewiesen", sagt Baubürgermeister Herbert Feßenmayr (CDU). Das Dresdner Regierungspräsidium hatte an den Elbufern Horchboxen aufstellen lassen, um Ultraschallsignale der Fledermäuse aufzuzeichnen. Doch die Aufnahmebänder blieben leer, keine Spur von den Mini-Fliegern.
Das bringt die Naturschützer auf die Palme. "Die Untersuchungsmethode war völlig unzureichend, so, als wollte man eine Stecknadel im Heuhaufen suchen", erklärt Achim Weber von der Grünen Liga. "Statt nur zehn Boxen aufzustellen, hätten es 50 sein müssen", kritisiert er. Der Empfangsradius einer Box betrage nur fünf Meter und die Geräte hätten mehrere Monate installiert werden müssen, nicht nur wenige Tage. Nach Ansicht der klagenden Grünen Liga, des BUND und des Naturschutzbundes Deutschland würde die Brücke die Fortpflanzung und Wanderbewegung verschiedener Hufeisennasen-Gruppen im 18 Kilometer langen Elbtal behindern.
Wie das Oberverwaltungsgericht die Situation einschätzt, wird sich nun zeigen. Laut Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sind an naturschutzrechtliche Prüfungen bei Planfeststellungsverfahren strenge Maßstäbe anzulegen. Als am wahrscheinlichsten gilt, dass das OVG einen Interessenausgleich beschließt. Dann dürfte die Brücke unter bestimmten Bedingungen errichtet werden.
Beim Bau der Brücke droht allerdings die Aberkennung des Unesco-Welterbetitels für das Elbtal. Wegen des Vorhabens steht das Elbtal auf der Rote Liste der gefährdeten Weltkulturerbestätten. Nach Auffassung der Unesco passt die Brücke nicht zum Ensemble der Dresdner Altstadt mit der wieder errichteten Frauenkirche.
Anfang Oktober hatte die Stadt eine Frist der Unesco verstreichen lassen, um Änderungen an dem Projekt vorzulegen. Mehrere Gerichte hatten zuvor entschieden, dass die geplante Form umgesetzt werden muss. Sachsens Regierungschef Milbradt schließt zumindest Veränderungen der Brücke "in ästhetischer Hinsicht" nicht aus. Einen Tunnelbau, wie ihn die Naturschützer ersatzweise wollen, werde es aber nicht geben.
Nach dem OVG-Spruch geht der Rechtsstreit - unabhängig vom dann möglicherweise beginnenden Brückenbau - in jedem Fall weiter. Wegen des Eilverfahrens ruht das Hauptsacheverfahren beim Dresdner Verwaltungsgericht. Hier fällt voraussichtlich erst 2008 eine Entscheidung. Im Fall einer Niederlage wollen die Naturschützer vor das Bundesverwaltungsgericht ziehen.