. Langenrieth, ein Ortsteil von Bad Liebenwerda, schläft noch, da steigt kurz vor halb 8 Uhr Jürgen Hönicke von seinem Rad. Der Burxdorfer ist als stellvertretender Wahlvorsteher für den Wahlbezirk 20. Er begrüßt seine Kolleginnen aus Langenrieth, ist an diesem Tag im Mehrzweckgebäude Hahn im Korb. Sein Ortsteil war in die Schlagzeilen geraten. Weil kein Geld fürs Dorfgemeinschaftshaus da ist, damit auch kein eigenes Wahllokal, wollte das Dorf nicht wählen gehen.

Wahlvorsteherin Christa Merke erwartet ihre Truppe bereits, gibt Hinweise. 7.40 Uhr wird die Urne überprüft, zugeklebt und versiegelt. Die Küche ist Wahlkabine. Warten auf 8 Uhr. Ein letzter Anruf in der Verwaltung. "Alles vorbereitet. Kann losgehen", gibt Merke durch. 216 Berechtigte aus beiden Ortsteilen könnten kommen. Gespanntes Warten.

8.03 Uhr: Die zweite Schicht will sich verabschieden. Bevor Else Kramer zum Frühstücken nach Hause fährt, setzt sie als erste Wählerin ihre Kreuze. "Früher hätte man einen Blumenstrauß bekommen", scherzt sie. Kollege Hönicke winkt ab. "Meine Familie hat bereits Briefwahl gemacht. Man bricht sich doch keinen Zacken von der Krone", sagt er.

Gudrun Rudel und Regina Lückfeldt-Gräßler plaudern über Haustiere, sortieren dabei die Unterlagen. "Mein Kater Leon hat sich in den Karton gelegt und Konfetti oben abgeknabbert", sagt Gudrun. Beide Frauen sind keine Helfer-Neulinge. Routiniert sitzen die Handgriffe, wenn ein Wähler kommt. Doch eine halbe Stunde vergeht bis die nächsten Langenriether anklopfen.

In der Kabine schnurrt die Kaffeemaschine, als 8.40 Uhr die ersten Burxdorfer ihre Kreuze setzen. "Wir gehen unserer Pflicht nach. Nur weil unser Dorfgemeinschaftshaus fehlt, verzichten wir doch nicht auf unser Recht. Außerdem sollten sie das Geld lieber in eine Umgehungsstraße stecken."

Kurz nach 9 Uhr, Kaffee wird aufgetischt, Jürgen steht in Gedanken versunken am Fenster. Elf Leute waren bislang wählen. Es schleppt sich. "Am Morgen ist das immer so. Die meisten gehen nachmittags", sagt Regina.

Wieder kommen Burxdorfer, scherzen mit Jürgen und verschwinden in der Küche. Und immer wieder die Frage: "Waren denn schon Burxdorfer hier?" Einige sind bis dahin gekommen.

Die Frauen plaudern über Gartenarbeit. Gudrun schwärmt: "In unserem Dorf gab es früher ganz viele Handwerker, auch eine Mühle." Eine Nachbarin kommt zur Tür hinein.

"Jetzt kommt die Sonne raus", sagt Jürgen Hönicke 10.37 Uhr und trinkt seinen Brennnessel-Zitronentee. Eine Fliege scheint sich im Wahllokal wohlzufühlen, schwirrt den Helfern um die Nase. Kurz vor Schichtwechsel schlendert Jürgen Kramer gut gelaunt ins Wahllokal. "Ich war joggen, hole heute noch das Motorrad raus", sagt der Feuerwehrchef. 11.53 Uhr - noch eine Stunde bis Schichtwechsel. Nebenan knattert ein Rasenmäher los.

13.03 Uhr sind Wahlhelfer Christa Merke, Else Kramer und Silvia Ringel am Platz. Nach und nach kündigen sich Langenriether an, fast alle waren schon da. Nur wenige Burxdorfer verirren sich zum Nachbarort. Andreas Radke kommt dennoch. Ihm gehört das Haus, in dem die Dorfgemeinde sich bislang traf. "Wir wollen doch was ändern. Die anderen hätten auch gehen sollen. Aber ich sehe es nicht ein, dass ich fast nichts für die Nutzung meines Hauses bekomme."

Pflaumenkuchen wird gebracht. Kaffeezeit. 15.30 Uhr kommt Hauptamtsleiterin und Wahlleiterin Bärbel Ziehlke von der Stadt, bringt Fahrgeld und Erfrischungsgeld für die Helfer vorbei. "Die Beteiligung in unseren Bezirken sind gut, bis zu 50 Prozent", sagt sie. Ilona Hauwetter hat ihre Brille vergessen. Wahlvorsteherin Christa springt ein, verborgt ihre. Wenig später wird es enger im Saal. Stau vor der Wahlkabine.

17 Uhr wird es laut im Keller. Langenriether proben ein Theaterstück für ihr Oktoberfest. Darüber herrscht wieder Ruhe. Christa erschlägt die lästige Fliege. Die Zeit schleicht. Ständiger Blick auf die Uhren. Alle Wahlhelfer sind da, machen sich fürs Auszählen bereit. Ständiger Blick auf die Uhren. Jürgen sagt wenige Minuten vor 18 Uhr trocken: "Das Warten ist wie Silvester." Die Kirchenglocke läutet.