Wenn in Deutschland Wahlkämpfe stattfanden, waren – gerade in grenznahen Orten zu Polen – bisher immer auch Plakate rechter Parteien zu sehen, auf denen vor polnischen Kriminellen gewarnt, die Schließung der Grenze oder im Extremfall die Rückgabe früherer deutscher Gebiete gefordert wurde. „In diesem Jahr ist das bisher nicht der Fall.“ Diese Beobachtung hat den in der Großstadt Stettin lebenden Journalisten Adam Zadworny neugierig gemacht.

Haben sich die Rechten in Deutschland geändert? Sind sie gar mit der polnischen Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ auf einer Wellenlänge, die doch seine Zeitung – die liberale „Gazeta Wyborcza“ – für ihre angebliche Deutschfreundlichkeit kritisiert?

Mit Fragen zu solchen Widersprüchen kam Zadworny nach Frankfurt (Oder). Und der Bitte um ein Gespräch mit einem Vertreter der „Alternative für Deutschland“, bei dessen Zustandekommen unsere Zeitung half. Der Pole traf Wilko Möller, den 53-jährigen Vorsitzenden des AfD-Kreisverbandes, der einen Platz im künftigen Brandenburger Landtag sicher zu haben scheint. Denn Möller steht nicht nur auf Platz 9 der Landesliste, sondern liebäugelt auch damit, das Direktmandat in der Grenzstadt erobern zu können.

„Die Polen sind nicht unser Problem. Frau Merkel muss weg“. Mit für seine Partei typischen Bemerkungen, auch über „politisch gefärbte Polizeistatistiken“, die die tatsächliche Kriminalitätslage im Lande nicht wiedergäben, eröffnet Möller das Gespräch. Der Vater von fünf Kindern ist selbst Kriminalkommissar bei der Bundespolizei, hat aber zu polnischen Kollegen nur sporadisch Kontakt. „Um mit ihnen auf gemeinsame Streife zu gehen, bin ich zu alt“, sagt er.

Dafür sei er vor Kurzem in Swinemünde an der Ostsee gewesen und habe dort „über die Sauberkeit des Ortes und die hohe Qualität der Hotels gestaunt“. Als Deutscher könne man da „schon fast neidisch werden“. Dann klärt er seinen Gesprächspartner darüber auf, dass „die AfD gar keine rechte Partei ist“. Das Problem der deutschen Politik bestehe darin, dass die CDU sehr weit nach links gerückt sei und deshalb Unterschiede zwischen den traditionellen Parteien kaum noch zu erkennen wären. Die AfD habe beschlossen, ehemalige Mitglieder der NPD oder DVU nicht aufzunehmen, „2018 haben wir allein in Frankfurt fünf oder sechs Leute abgelehnt“. Dafür gäbe es viele Mitglieder, die früher bei der Union, der SPD, den Grünen oder gar bei der Linken waren. „Das können gar nicht alle Rechte sein.“

Dass die Mehrheit der Polen die Aufnahme von Flüchtlingen ablehnt und den christlichen Charakter des Landes betont, findet der Deutsche gut. „Da sind wir auf einer Linie mit Polens Regierungspartei“, konstatiert Möller. Offizielle Kontakte zur PiS gebe es zwar noch nicht. „Darum bemüht sich unser Landesvorstand. Man will mich einbeziehen, wenn es so weit ist“, verrät der Frankfurter. Und hat noch eine Überraschung parat: „Wir werden unser Programm für die Landtagswahl auf Polnisch übersetzen.“ Der Grund sei, dass es zahlreiche Anfragen von in Brandenburg lebenden Polen gebe. „Wenn das Geld reicht, übersetzen wir das Programm auch auf Russisch“, sagt er, denn die Partei betrachte auch Russland als Partner. Trotzdem gibt es deutsch-polnische Realitäten, die Möller missfallen. „Wie ernst sind eigentlich die Forderungen nach Reparationen für den Zweiten Weltkrieg gemeint?“, will er von seinem Gegenüber wissen. Der entgegnet, dass es dazu auch viele kritische Stimmen in Polen gibt. Für überflüssig hält Möller die „übertriebene Symbolik vieler Projekte“, etwa das gemeinsame Stadtfest von Frankfurt und Słubice. „Wir sollten nur Dinge machen, die für beide Seiten von Vorteil sind“, sagt er und stellt die Frage, warum es möglich war, in Slubice eine Sonderwirtschaftszone mit Steuervorteilen einzurichten und in Frankfurt nicht. Dass es für die ostdeutschen Bundesländer auch viele Hilfen gibt, erwähnt der AfD-Politiker dagegen nicht.