Bei der Görlitzer Oberbürgermeisterwahl an diesem Sonntag tritt der parteilose Amtsinhaber Joachim Paulick gegen den von der CDU nominierten Siegfried Deinege an. Noch vor sieben Jahren hatte die Partei auch das jetzige Stadtoberhaupt zur Wahl ins Rennen geschickt. Doch im Streit um die Besetzung des Fraktionsvorsitzes im Görlitzer Kreistag trat Paulick 2008 aus der CDU aus. Der 54-Jährige bewirbt sich nun als unabhängiger Bewerber um eine zweite Legislaturperiode. Sein einziger Herausforderer ist ebenfalls parteilos. Den Bombardier-Manager Deinege hat aber ein Bündnis aus CDU, FDP, Bündnis 90/Die Grünen und dem Wählerverein "Bürger für Görlitz" aufgestellt.

Nur ein Wahlgang nötig

Knapp 47 000 Stimmberechtigte sind zur Wahl aufgerufen. Da nur zwei Kandidaten antreten, entscheidet sich bereits im ersten Wahlgang, wer die Geschäfte im Rathaus der östlichsten Stadt Deutschlands künftig führen soll.

In Deinege werden große Hoffnungen gesetzt, dass er Paulick im Rathaus ablöst. Der 56-Jährige wohnt im Görlitzer Ortsteil Kunnerwitz und leitete jahrelang das Werk des Schienenfahrzeugherstellers Bombardier in der Neißestadt. 2010 wechselte er in die Geschäftszentrale des Konzerns nach Berlin.

Kritiker von Paulick wünschen sich einen Stilwechsel in der Lokalpolitik. "Der fehlende Dialog zwischen Oberbürgermeister und Stadtrat lähmt die Entwicklung", sagt der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, Octavian Ursu. Den gemeinsamen Kandidaten Deinege sehe das Bündnis als geeigneter an, für mehr Kommunikation und Transparenz in und außerhalb der Verwaltung zu sorgen. "Die Stadt ist mittlerweile nach außen politisch isoliert", meint Ursu.

Für Rückkehr zum Miteinander

Diese Ansicht teilen die Görlitzer Wirtschaftsjunioren. "Paulick hat in sieben Jahren Fronten aufgebaut, statt zu verbinden", sagt Kreissprecher Mike Altmann. Die jungen Unternehmer wünschten sich einen klaren Fahrplan für die Stadtentwicklung und eine Rückkehr zur "Kultur des Miteinanders". Ein neuer Oberbürgermeister sollte mit geschickter Diplomatie gegenüber dem Umland und Dresden auftreten. Nach dem verheerenden Hochwasser im August 2010 etwa hatte Paulick die von der sächsischen Regierung zugesagten Soforthilfen als unzureichend und "viel zu wenig" kritisiert.

Parteien unterstützen Deinege

Für die Linke ist Paulick ebenfalls keine Alternative, sagt Ortsverbandsvorsitzender Mirko Schultze. Die Partei unterstütze daher Deinege, "damit Görlitz einen Oberbürgermeister bekommt, der den Stillstand beendet". Die SPD in Görlitz hat weder einen eigenen Kandidaten für die Wahl aufgestellt noch eine Empfehlung für einen der beiden Kandidaten abgegeben. Paulick wird unterdessen von der im Görlitzer Stadtrat vertretenen Wählervereinigung "Zur Sache" unterstützt, deren Vorsitzender er ist.

Als Erfolg seiner siebenjährigen Amtszeit verweist Paulick unter anderem auf den ausgeglichenen Haushalt der Stadt, die 2008 den Status der Kreisfreiheit verlor. 2011 habe sogar ein Überschuss von gut drei Millionen Euro zu Buche gestanden, schreibt er in seinem Wahlprogramm. Kritiker halten dagegen, dass viele Löcher über Jahre aus dem Neißefonds gestopft worden seien. Darin waren die 50 Millionen Euro angelegt worden, die Görlitz für den Teilverkauf seiner Stadtwerke erhalten hatte - dem "Tafelsilber", wie CDU-Ortschef Ursu sagt.