Tränengasschwaden ziehen durch die Straßen von Rangun. Dort, wo Zehntausende Mönche in den Tagen zuvor friedlich demonstriert hatten, herrscht jetzt über weite Strecken gähnende Leere. Mit Schlagstöcken und Schilden bewaffnet sind grün uniformierte Soldaten in der birmanischen Metropole aufgezogen. Die gefürchtete Militärjunta hat aus ihren Warnungen Ernst gemacht: Mit Schlagstockeinsätzen und Tränengas "säubern" die Sicherheitskräfte die Zugänge zur Shwedagon-Pagode, dem buddhistischen Heiligtum der größten Stadt Birmas und zugleich Ausgangspunkt der friedlichen Revolte der Mönche.

In Richtung Barrikaden
Ein ähnliches Bild bietet sich an der Sule-Pagode, bislang stets Ziel der Demonstranten. Hinter den Barrikaden der Militärs drängt sich in einigem Abstand eine unüberschaubare Menschenmenge. Menschen lehnen sich aus den Fenstern, stehen abwartend in Türeingängen. Die Menge bewegt sich immer wieder ein Stück vor in Richtung der Barrikaden - unter ihnen nur noch einige wenige Mönche.
Plötzlich ist das scharfe Geräusch von Gewehrsalven zu hören. Erst nach etwa 30 Sekunden bricht das Geknatter ab. Menschen flüchten in Panik in die Seitenstraßen. Einige fallen hin, die Nachdrängenden trampeln über sie hinweg. Den Flüchtenden ist die Angst ins Gesicht geschrieben.

Die Soldaten - "das sind Tiere"
Im Angesicht der Soldaten warnt eine 26-jährige Studentin einen ausländischen Touristen: "Du darfst da nicht weitergehen, das sind Tiere" (die Soldaten). Ihre Universität sei bis auf Weiteres geschlossen, sagt sie. "Nein, ich gehe nach Hause", sagt ein Mönch auf die Frage nach dem Wohin.
Der Betreiber eines Cafés deutet ebenfalls mit einer Bewegung von Hand und Fingern an, wie gefährlich die Straßen Ranguns über Nacht geworden sind. "Peng, peng, peng, jederzeit können Schüsse abgefeuert werden", will seine Geste besagen. Zum Aufbegehren seiner Landsleute gegen das Militärregime sagt er: "Sie trauen sich nicht, sie sind seit 20 Jahren unterdrückt worden."
Die breite Allee, die zur Sule-Pagode führt, ist auf beiden Seiten abgesperrt. Auf einer Querstraße fahren alle zehn Minuten Militärfahrzeuge vorbei, jedes Mal bricht in der Menge Panik aus. Und jedes Mal machen sich die Demonstranten wieder selbst Mut. Sie bedenken die Militärlaster mit Buhrufen oder fangen alle zu klatschen an. Es setzt sich wie eine Welle fort. Aus der Menge kommen immer wieder aufmunternde Rufe, nicht zu weichen. Es ist ein Hin- und Herwogen. Und wieder schieben sich die Leute nach vorn, bis die nächste Militärkolonne vorbeirast.

Zum Thema Reisen vorerst abgesagt
 Wegen des gewaltsamen Vorgehens der Militärregierung in Birma haben die Reiseveranstalter Dertour und Meier's Weltreisen alle Touren in das asiatische Land bis Mitte Oktober abgesagt. "Bis zum 15. Oktober werden wir keine Reisen nach Birma anbieten, die gebuchten mussten wir absagen oder umbuchen", sagte eine Sprecherin der Muttergesellschaft Deutsches Reisebüro (DER) gestern in Frankfurt/Main. Auch Studiosus hat vorsorglich die Reisen aus dem Programm genommen. Wie eine Sprecherin erklärte, besteht für Birma-Reisen, die nach dem 15. Oktober beginnen, aber noch kein Recht auf kostenlose Umbuchung oder Stornierung.