Es gab damit nachweislich seit 100 Jahren in der Region keinen annähernd so warmen Herbst. Die Niederschlagsmengen blieben in dem Zeitraum unter dem langjährigen Schnitt, die Sonne zeigte sich hingegen öfter als sonst.Der wärmste Tag war der 7. September. In Guteborn in der Lausitz stieg die Temperatur auf 30,8 Grad, in Altdöbern auf 30,3 und in Welzow auf 30,2 Grad. Am kältesten war es in der Nacht zum 4. November in Cottbus. Hier wurde eine Temperatur von -5,3 Grad abgelesen. Insgesamt blieb es in den Nächten aber ungewöhnlich mild, nur selten sanken die Temperaturen unter den Gefrierpunkt.

Auch die Sonnenscheindauer lag in diesem Herbst 20 bis 50 Prozent über dem Durchschnitt. Der sonnigste Ort war Mattendorf mit 467 Sonnenstunden, gefolgt von Welzow mit 466 und Guben mit 461 Stunden. Geregnet hat es in Berlin und Brandenburg hingegen deutlich zu wenig. Am meisten Regen fiel mit 130 Litern pro Quadratmeter in Neuruppin-Gühlen und in Meyenburg mit 126 Litern. Dahinter folgt Kuhbier mit 124 Litern pro Quadratmeter.

Die Niederungen blieben vom Schnee weitestgehend verschont. Am Morgen des 2. und 3. November lag in Cottbus ein Zentimeter Neuschnee, der tagsüber rasch wieder abtaute. Vor allem in den ersten Novembertagen blies starker Wind. Die stärkste Böe wurde am 1. November in Wiesenburg mit 94 Kilometer pro Stunde verzeichnet.

Der milde Spätherbst wirkt sich auch auf die Tier-und Pflanzenwelt aus: Die warmen Temperaturen verleiden Tieren den Winterschlaf und lassen sogar schon wieder Frühlingsblumen sprießen. Tiere wie Frösche, Molche und Fledermäuse litten unter dem warmen Wetter und fänden nicht in den Schlaf, sagte der Artenschutz-Experte Peter Schütz von der nordrhein-westfälischen Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten am Montag in Recklinghausen. "Die Tiere stehen unter Stress." Auch viele Insekten sind noch aktiv.

Mit 22,2 Grad war am Samstag in Fischen im Allgäu ein Rekordwert gemessen worden. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war es nach Angaben der Wetterdienst Meteomedia nach einem 20. November noch nie wärmer in Deutschland gewesen. Auch am Dienstag soll es noch einmal bis zu 17 Grad warm werden. Mit Beginn des Wintermonats Dezember kühlen die Temperaturen laut Vorhersage jedoch ab.

Tiere mit zu wenig Fett als Wärme- und Nahrungspolster könnten den Winter nicht überleben, sollte es noch länger warm bleiben und dann Anfang des Jahres bitterkalt werden, sagte Schütz. Zugvögel wie Kraniche hätten zudem "keine Lust" wegzufliegen. Sie fänden auf vielen abgeernteten Maisfeldern Futter. "Deshalb fliegen sie entweder erst im Januar weg, oder sogar gar nicht." Wärmeliebende Pflanzen hingegen profitierten von der derzeitigen Wetterlage: Beifußambrosien und Robinien blühen und tragen Früchte.

Die Saison für Mücken, Fliegen oder Zecken hat sich nach Angaben eines Insektenforschers verlängert. Normalerweise hörten etwa Gnitzen - sehr kleine Stechmücken - Ende Oktober auf zu fliegen, sagte der Düsseldorfer Professor für Zoologie und Parasitologie, Heinz Mehlhorn. Derzeit seien die Insekten aber noch zu beobachten, wenn auch nicht in großen Mengen: "Die haben ihr "Geschäft" auf Wunsch der Natur noch einmal verlängert", erklärte der Forscher der Heinrich-Heine-Universität.

Und wie ergeht es den Wintersportlern? Die Skihallen verzeichnen wegen des milden Wetters keinen größeren Besucheransturm. "Für uns wäre verregnetes Herbstwetter besser als dieser Altweibersommer", sagte ein Sprecher der Skihalle "Snowtropolis" in Senftenberg (Brandenburg). Die Skihalle "Snow Dome" in Bispingen in der Lüneburger Heide (Niedersachsen) hat erst im Oktober eröffnet und zieht nach Angaben eines Sprechers auch noch viele Neugierige an.

Bei der Skihalle in Neuss (Nordrhein-Westfalen) sind für den kommenden Dezember über zweieinhalb Mal mehr Schnee-Bestellungen als im Vergleich zum Vorjahr eingegangen. "Das Wetter ist so mild. Viele fragen an, um ein wenig Weihnachts- und Wintergefühl zu wecken", sagte Tanja Behnke von der Neusser Skihalle, die auch Schnee für Weihnachtsmärkte oder Après-Ski-Partys produziert.

Trotz der ungewöhnlich warmen Temperaturen läuft auf der Zugspitze der Wintersportbetrieb wie um diese Jahreszeit üblich. Auf dem Zugspitzplatt wedelten am Montag Brettlfans bei plus 2 Grad, Sonnenschein und bester Fernsicht über die weiß verschneiten Hänge. "Wir haben relativ milde Temperaturen - wir könnten um diese Zeit auch minus 20 Grad haben", sagte der Leiter der Wetterwarte Zugspitze, Manfred Kristen. Allerdings gebe es nur eine etwa 50 Zentimeter dicke Schneedecke. "Das ist für November wenig."

Frühlingsgefühle entwickeln derzeit die Forscher in der Antarktis auf der Neumayer-Station des Alfred-Wegener-Institutes Bremerhaven (AWI). "Kurzzeitig kann man sogar im T-Shirt draußen sein", sagte die Meteorologin Anja Anastou. Temperaturen um minus sieben Grad Celsius wie am Montag seien für die Jahreszeit aber normal. "Hier beginnt der Frühsommer, im Moment scheint die Sonne 24 Stunden am Tag."