Die Reaktion schwankt, wie jüngst bei den fehlgeschlagenen Kofferbombenanschlägen auf zwei Regionalzüge, zwischen Erleichterung und Entsetzen. Wieder einmal ist Deutschland davongekommen - zugleich aber wirft der soeben aufgedeckte Plan eines Sprengstoffattentats auf ein Flugzeug ein Schlaglicht auf die sehr konkrete Terrorgefahr. Auch Deutschland kann jederzeit Opfer eines verheerenden Terroranschlags werden, warnen Fachleute seit Langem.

Eine neue Dimension
Dabei mahnen die Ermittler, den aktuellen Fall nicht überzubewerten. Auch wenn das Vorhaben, eine Bombe an Bord einer Passagiermaschine zu schmuggeln, im Vergleich zu den bisher in Deutschland bekannt gewordenen Anschlagsplänen eine neue Dimension bedeutet hätte: Nach allem, was die Bundesanwaltschaft bisher preis gibt, waren die mutmaßlichen Terroristen noch ziemlich weit von der Realisierung ihres Plans entfernt. Andererseits zeigt der Fall, wo Terroristen angesichts der verschärften Kontrollen für Passagiere nach Schwachstellen suchen - nämlich beim Flughafenpersonal.
Dennoch scheint der Fall die Sorge von Sicherheitsexperten vor einer wachsenden Anschlaggefahr zu bestätigen. Mit seiner profilierten Außenpolitik gerate Deutschland zunehmend ins Visier islamistischer Gruppen, warnte dieser Tage der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Ernst Uhrlau.
Schon in den vergangenen Jahren hat eine ganze Reihe vereitelter und fehlgeschlagener Attentate deutlich gemacht, dass Terroristen die Bundesrepublik längst nicht mehr allein als Rückzugsraum betrachten, sondern den Terror auch nach Deutschland tragen wollen. Bei den "Kofferbombern" hätten die Ermittler wohl keine Chance gehabt, ein Blutbad unter den Insassen der Züge zu vermeiden - wäre nicht den Attentätern beim Bau der Bombe ein technischer Fehler unterlaufen.
Immer wieder hat aber auch das Eingreifen der Polizei das Schlimmste verhütet. In den beiden Düsseldorfer Al-Tawhid-Prozessen in den Jahren 2003 und 2005 ließ der Vorsitzende Richter keinen Zweifel daran, dass nur die Wachsamkeit der Sicherheitsbehörden die geplanten islamistischen Anschläge auf das jüdische Gemeindezentrum in Berlin und zwei Düsseldorfer Lokale verhindert habe. Das BKA hatte das entscheidende Telefonat des inzwischen getöteten Al-Tawhid-Chefs Abu Mussab al-Sarkawi mitgehört.
Ähnlich war es beim verhinderten Anschlag auf Iraks Ex-Ministerpräsident Ijad Allawi bei dessen Deutschland-Besuch im Dezember 2004. Die Ermittler waren zur rechten Zeit in der Leitung; die drei mutmaßlichen irakischen Terroristen müssen sich derzeit vor dem Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart verantworten.

Ausbildung in Al-Qaida-Lager
Auch bei dem im Frühjahr 2003 festgenommenen Tunesier Ishan G., der zuvor von der Ausbildung in einem afghanischen Al-Qaida-Lager zurückgekommen war, ist die Bundesanwaltschaft sicher, ein Attentat verhindert zu haben: Auf dessen Laptop fand sich die Anleitung, wie man ein Handy zum Zünder umbaut. Am Ende reichten die Beweise aber nur für eine Haftstrafe wegen illegalen Waffenbesitzes und Steuerhinterziehung.
Daneben gehören Verfahren gegen Schleuser, Spendensammler und Terroristenwerber, die von Deutschland aus agieren, fast schon zum Alltag. In Düsseldorf verhandelt das OLG derzeit gegen Ibrahim K., der Selbstmordattentäter für den Irak rekrutiert und sich um atomwaffenfähiges Material bemüht haben soll. Das OLG München hat im Januar den irakischen Kurden Lokman M. als Schleuser und Mitglied der Terrorgruppe Ansar al-Islam verurteilt. Bei ihm hatte es sich ebenfalls als hilfreich erwiesen, dass auch Terroristen vieles am Telefon besprechen: Die Ermittler hatten insgesamt 550 Gespräche abgehört.