Realschulabschluss oder Hauptschulabschluss mit Berufsausbildung sind Bedingung für den Job. Tätowierungen und Piercings sollten nicht sichtbar sein, dafür ein jederzeitiges Eintreten "für die freiheitlich demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes". Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann sich bewerben für den Dienst in der neuen sächsischen Wachpolizei.

Unterstützung für LandespolizeiDie ersten 50 Frauen und Männer haben diese Woche ihre Ausbildung zu Wachpolizisten begonnen. Nach nur drei Monaten Ausbildung sollen sie dann bereits im Mai Personen und Gebäude bewachen. Innenminister Markus Ulbig (CDU) verspricht sich von der Truppe eine "hilfreiche Unterstützung der Landespolizei".

Die Opposition sieht eher eine Art Polizei light, die darüber hinwegtäuschen soll, dass die CDU-SPD-Staatsregierung sich nicht für eine Verstärkung der echten Polizei durchringen kann.

Der Grüne Valentin Lippmann riecht hier "hilflosen Aktionismus". Ulbig gaukele mit der Wachpolizei den Bürgern Sicherheit vor - und den Wachpolizisten "gaukeln sie vor, sie könnten wie richtige Polizistinnen und Polizisten handeln".

Die Landtags-Linken rückten im Plenum am Mittwoch gar die neue Wachpolizei in die Nähe der zweifelhaften Bürgerwehren, die vielerorts auf eigene Faust losziehen. Was die Koalitionsfraktionen natürlich sofort abschmetterten.

Insgesamt hat die Koalition 550 Stellen für Wachpolizisten geschaffen. Das Innenministerium wirbt mit dem Slogan "Wachpolizei - die Berufschance für alle, die Berufung suchen". Infrage kommen junge Leute, die die Bewerbungsrunde für den Polizeidienst knapp versemmelt haben. Wer beispielsweise an der Gesundheitsprüfung gescheitert ist, soll mit der Wachpolizei eine zweite Tür in den regulären Dienst bekommen.

"Die Wachpolizisten erhalten bei uns in Sachsen eine professionelle Ausbildung", betont der Innenminister. Sie kriegen Rechtskenntnisse vermittelt, absolvieren praktisches Handlungs- und Einsatztraining und eine Waffen- und Schießausbildung.

Nächster Lehrgang Anfang Mai

Bezahlt werden die angehenden Wachpolizisten in der Ausbildung nach Entgeltgruppe drei mit knapp 2000 Euro brutto. Nach der Ausbildung läuft die Bezahlung nach Gruppe sechs, also Minimum 2200 Euro brutto. Nach einem Jahr Dienst soll es 64 Euro Zulage geben.

Das ist im Ganzen attraktiv genug, dass sich mehr als 1700 Leute beworben haben, darunter mehr als 300 Frauen. Der nächste Ausbildungsdurchgang startet Anfang Mai, mit dann weiteren 100 Wachpolizisten.

Im Potsdamer Innenministerium hält man von der sächsischen Neuerung wenig. "Wachpolizei gibt es in Brandenburg nicht, und das ist auch nicht geplant", sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Für die Bewachung von Flüchtlingsheimen setzt Brandenburg weiterhin auf private Sicherheitsdienste.