Zurzeit sitzt Sebastian Walter vor allem in der Bibliothek und schreibt an seiner Abschlussarbeit. Bis vor Kurzem war der 25-jährige Student, der an der Universität Potsdam für Geschichte und LER eingeschrieben ist, als Krankheitsvertretung Pressesprecher der Linksfraktion im Brandenburger Landtag.

Schon seit fünf Jahren ist er Kreisvorsitzender der Linken im Barnim. Und im Januar 2014 wählte ihn der Landesparteitag zum stellvertretenden Landesvorsitzenden seiner Partei. In Potsdam gilt Walter als eines der größten politischen Talente der Brandenburger Linken.

Doch kann er vielleicht noch mehr? Auf den Fluren des Landesparlaments macht seit einiger Zeit das Gerücht die Runde, dass Walter im kommenden März Christian Görke als Landesvorsitzenden der Linkspartei beerben könnte, während Sozialministerin Diana Golze als Spitzenkandidatin für die Landtagswahlen 2019 gehandelt wird. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU hält sich Sebastian Walter bedeckt. "Ich habe gehört, dass mir Ambitionen nachgesagt werden", sagt Walter.

Derzeit bereite sich die Linke auf einen Programmparteitag im November vor. "Diese Frage stellt sich deswegen im Moment für mich nicht." Er wolle sich allerdings dafür einsetzen, dass sich die Linkspartei in Brandenburg verändert. "Wir müssen deutlich machen, was uns als Linkspartei eigenständig macht", sagt Walter.

Und spricht damit ein Thema an, das bei den Linken nach wie vor wie ein Stachel im Fleisch sitzt: die Wahlniederlage bei der Landtagswahl 2014. Damals war die SPD weitgehend konstant geblieben, die Linke dagegen hatte im Vergleich zu den vorigen Wahlen fast ein Drittel ihrer Stimmen verloren. Seitdem versucht sich die Linkspartei in Potsdam stärker zu profilieren.

Bei den Gemeinschaftsschulen, bei der Lausitzer Braunkohle, zuletzt in der Asylthematik, wo der kleinere Koalitionspartner bei der Ausweitung der sicheren Herkunftsstaaten immerhin eine Enthaltung im Bundesrat durchsetzte. Und während man nach politischen Lebenszeichen etwa der ehemaligen Umweltministerin Anita Tack mit der Lupe suchen muss, sind es vielfach "die jungen Wilden", also neu in das Parlament gekommene Abgeordnete, die in Potsdam vorpreschen - etwa die Lausitzer Lehrerin Kathrin Dannenberg bei den Gemeinschaftsschulen.

Und auch der Cottbuser Matthias Loehr oder der aus Frankfurt (Oder) stammende René Wilke werden immer präsenter in der Landtagsfraktion.

Wilke kandidierte sogar beinahe gegen den Fraktionsvorsitzenden Ralf Christoffers, der als ehemaliger Wirtschaftsminister ähnlich wie Görke ein prominentes Gesicht der letzten Legislaturperiode ist, an deren Ende dann die krachende Niederlage stand. Görke wiederum hat als Landesvorsitzender der Linken, als Finanzminister und als stellvertretender Ministerpräsident gleich drei hohe Ämter inne - und das in einer Partei, der die Trennung von Amt und Mandat so wichtig ist, dass kein Landtagsabgeordneter zugleich Minister sein darf. "Ich habe Schwierigkeiten, mir jemanden anderes als Christian Görke vorzustellen, der als Verhandlungsführer für unsere Partei im Koalitionsausschuss sitzt", sagt etwa René Wilke. "Aber ich stelle auch fest, dass das Rollenspiel zwischen Partei und Fraktion nicht so funktioniert, wie es sich mancher wünscht." Was am Ende dann doch darauf hindeutet, dass es irgendwann in absehbarer Zeit einen neuen Landesvorsitzenden der Brandenburger Linken geben könnte.