Aus dem einstigen Braunkohletagebau, wo bis 1990 mehr als 300 Millionen Tonnen des "schwarzen Goldes" aus der Erde gebaggert wurden, entstand eine rund 60 Quadratkilometer große Natur- und Kulturlandschaft mit dem Seen-Verbund. Dies gilt zugleich als eines der weltweit größten Projekte der Landschaftskunst. In Deutschland gibt es nach Angaben des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle mehr als 350 Bergbauseen, im Osten entstanden seit 1990 weitere 120.

Die Bewohner wollen Arbeitsplätze
Etliche Touristen aus nah und fern erfreuen sich an der "Goitzsche", für die Menschen in der Region zählen aber vor allem die Arbeitsplätze. In der Chemie, in der Wolfener Filmfabrik und im Braunkohlebergbau verdienten Generationen ihr tägliches Brot. Mit der Wende setzte ein kaum vergleichbarer gravierender Strukturwandel ein.
Tausende Arbeitsplätze gingen verloren. Die mehr als 100 Jahre alte Industrieregion wurde von Grund auf "umgekrempelt", hunderte Dreckschleudern stillgelegt und abgerissen, neue Anlagen aufgebaut. Es entstand aus Sicht von Experten eine Vorzeigeregion des Wandels in Europa. So ist von der Stahlskulptur des Frankfurter Künstlers auch der auf saniertem Areal des einstigen Chemiekombinats Bitterfeld entstandene moderne Chemiepark Bitterfeld-Wolfen zu sehen.
Rund 360 Firmen sind hier ansässig und mehr als 11 000 Menschen beschäftigt. Etwa 3,5 Milliarden Euro wurden am Standort investiert. Konzerne wie Bayer zog es hierher, um beispielsweise "Aspirin" für den gesamten europäischen Markt zu produzieren. Einer der inzwischen größten europäischen Solarzellenhersteller, die börsennotierte Q-Cells AG (Thalheim bei Wolfen), hat hier nach der Wende angefangen.
Wie überall in den ostdeutschen Ländern, fehlen für noch mehr Beschäftigung ausreichend mittelständische Betriebe. Ein moderner Chemie- oder Pharmabetrieb benötigt angesichts der zunehmenden Automatisierung der Produktionsprozesse verhältnismäßig wenig Arbeitskräfte. "Der Mittelstand im Osten hat leider noch nicht das Rückgrat wie der im Westen", sagt der Arbeitsmarktexperte vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Herbert Buscher.
"Der Wandel hat viel Geld, auch aus Steuern, gekostet, und wäre ohne die politische Entscheidung, die Ostchemie trotz der großen internationalen Konkurrenz aus dem Westen zu erhalten, gar nicht möglich gewesen", sagt der Geschäftsführer der Standortgesellschaft PD Chemiepark Bitterfeld-Wolfen GmbH, Matthias Gabriel. Heute sei der Standort zur gefragten Adresse für Investoren aus dem In- und Ausland geworden, auch wegen der "weichen" Ansiedlungsfaktoren.

"Die Lebensqualität ist gut"
"Man muss nicht mehr aus Bitterfeld flüchten, die Lebensqualität ist gut, nicht nur die Luft", sagt Gabriel, ehemaliger Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt. Er verweist dabei auf die moderne Infrastruktur in der Wachstumsregion Leipzig-Halle, nahe liegende Stätten des Unesco-Welterbes in Dessau, Wörlitz und der Lutherstadt Wittenberg.