Edathy muss sich ab Februar für das Herunterladen von Bildern und Filmen nackter Kinder im Internet vor Gericht verantworten.

Der Fall wurde Anfang 2014 zur Polit-Affäre, weil die SPD-Spitze von den Ermittlungen wusste und Edathy nach eigener Aussage vorab gewarnt wurde. Diese Vorgänge soll jetzt der Bundestags-Ausschuss aufklären.

Der Obmann der Linken, Frank Tempel, warf der Ausschuss-Vorsitzenden Eva Högl (SPD) mangelnde Objektivität vor. In der Sitzung am Donnerstag habe sie Edathy im Alleingang über Stunden befragt, um dessen Glaubwürdigkeit zu erschüttern. Beim Zeugen Hartmann habe sie sich dagegen kürzer gefasst, sagte er am Samstag im Deutschlandfunk.

Der CSU-Abgeordnete Volker Ullrich, der ebenfalls im Ausschuss sitzt, sagte "n-tv.de", während Högl Edathy hart rangenommen habe, seien Unstimmigkeiten bei Hartmann "nicht mit dem letzten Nachdruck hinterfragt worden".

Die Grünen-Obfrau Irene Mihalic sagte der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" vom Samstag: "Die SPD täte gut daran, sich nach zehn Monaten endlich selbst um Aufklärung zu bemühen. Bisher ist der Wille dazu nicht zu erkennen."

Edathy, der noch vor dem öffentlichen Bekanntwerden der Vorwürfe sein Mandat niedergelegt hatte und abgetaucht war, behauptet, er sei durch Hartmann ständig über die Ermittlungen gegen ihn informiert gewesen. Und dieser wiederum habe sich direkt auf den damaligen Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, bezogen.

Die Linke fordert deshalb strafrechtliche Ermittlungen gegen Ziercke. "Es gibt einen plausiblen Verdacht", sagte Parteichef Bernd Riexinger der "Rheinischen Post" vom Samstag. "Wenn Edathy auch nur teilweise recht hätte, wäre Ziercke mindestens Geheimnisverrat, wenn nicht Strafvereitelung im Amt vorzuwerfen." Die zuständige Staatsanwaltschaft in Wiesbaden sieht "im Moment keinen Anfangsverdacht, der uns veranlassen könnte, konkrete Maßnahmen gegen konkrete Personen zu ergreifen".

SPD-Chef Sigmar Gabriel verteidigte sein Verhalten gegenüber Edathy. Dass er diesem im Februar 2014 zunächst Hilfe angeboten habe, um kurz darauf ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn anzustoßen, sei kein Widerspruch, sagte Gabriel dem "Tagesspiegel am Sonntag".