Die Staatsanwaltschaft Cottbus hat sich am Donnerstag gegen Vorwürfe zur Wehr gesetzt, die in einer Sendung des rbb-Magazins Klartext erhoben wurden. Nach Recherchen des Senders soll die spektakuläre Festnahme des 37-jährigen Karsten M. unter Einsatz einer Schusswaffe im August 2014 in Cottbus "offenbar unverhältnismäßig" gewesen sein. Der Mann war dabei durch einen Kopfschuss von einem Polizisten lebensgefährlich verletzt worden und liegt bis heute im Koma.

Der Vorwurf der Unverhältnismäßigkeit wird in der Sendung auch deshalb aufgeworfen, weil am Tage der nächtlichen Festnahme bereits eine Hausdurchsuchung in Anwesenheit des Tatverdächtigen stattgefunden hatte. "Er ist doch jahrelang nicht abgehauen. . . Sie hätten ihn doch gleich verhaften können", erklärte die Mutter des Geschädigten gegenüber Klartext und äußerte sich damit erstmals in der Öffentlichkeit.

Wie der Sprecher der Cottbuser Staatsanwaltschaft Oberstaatsanwalt Horst Nothbaum auf RUNDSCHAU-Nachfrage am Donnerstag erklärte, liefen zum Zeitpunkt der erwähnten Durchsuchung am frühen Nachmittag zeitgleich weitere Durchsuchungen (bei Mitbeschuldigten) an verschiedenen Orten in Deutschland. "Erst nach einer Gesamtbewertung der bei diesen Durchsuchungen gewonnenen Erkenntnisse und Beweismittel und der deshalb neu zu bewertenden Frage zum dringenden Tatverdacht und zur Fluchtgefahr ordnete die zuständige Oberstaatsanwältin am frühen Abend die Festnahme des Karsten M. an", erläuterte Nothbaum.

Für die Staatsanwaltschaft hätten sich diese, die Festnahme begründenden Umstände damit erst in einer Gesamtschau der Ergebnisse der Durchsuchungsmaßnahmen an verschiedenen Orten im Verlauf des späteren Nachmittags neu ergeben. "Sie waren zum Zeitpunkt des Antreffens des Karsten M. am frühen Nachmittag noch nicht bekannt und dessen Festnahme zu diesem Zeitpunkt daher weder geplant noch angeordnet", betonte der Behördensprecher.

Vor diesem Hintergrund sei die Anordnung der Festnahme verhältnismäßig gewesen, weil ein dringender Tatverdacht für schwere Wirtschaftsstrafsachen vorlag und Ermittlungsergebnisse die Fluchtgefahr begründet hätten.

Der Oberstaatsanwalt betont zugleich, dass "außer Diskussion stand und steht, dass die konkrete Art der Festnahme nicht verhältnismäßig war". Diese Bewertung habe die Staatsanwaltschaft aber schon dadurch deutlich zum Ausdruck gebracht, dass der Beamte deswegen antragsgemäß - und zwischenzeitlich auch rechtskräftig - zu einer Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt worden sei.

Da der Polizist den Strafbefehl des Gerichtes angenommen hatte, war es nicht zur Hauptverhandlung gekommen. Die Mutter des Opfers sagte dazu gegenüber dem rbb, dass die Staatsanwaltschaft damit den Einsatz gegen ihren Sohn kleinkochen wolle, "um nicht eigene Fehler öffentlich eingestehen zu müssen".

Für den Sprecher der Cottbuser Staatsanwaltschaft ist dieser Vorwurf der Vertuschung "bei dieser Sachlage abwegig und bedarf keiner weiteren Kommentierung".