Das 10-Punkte-Programm des SPD-Finanzministers "Hilfen für Helfer" sieht großzügigere Steuervergünstigungen vor und kostet den Staat weitere 400 Millionen Euro. Stiftungen sowie die unzähligen Sport-, Kleingärtner-, Hundezüchter oder Karnevalsvereine jubeln, aber auch Hunderttausende Helfer in der Wohlfahrtspflege.
Mit seinen Plänen stellt sich Steinbrück ausdrücklich gegen den Rat seines Wissenschaftlichen Beirats. Das Expertengremium im Finanzministerium hatte zwar auch für eine Neuregelung plädiert, allerdings sollten die Steuervergünstigungen stark eingeschränkt werden. Die Professoren-Runde wollte den "Wildwuchs" eindämmen, das Spendenprivileg restriktiver gewähren und die einkommensteuerliche Freistellung nebenberuflicher Tätigkeiten ("Übungsleiterprivileg") neu fassen. Gefördert werden sollten zudem nur Jugendsportvereine. Entsprechend groß war der Aufschrei. Auch mancher Landesfürst machte die Expertenvorschläge kurzerhand zu angeblichen Gesetzesplänen des Ministers und drohte reflexartig mit Blockade.
Das deutsche Vereinswesen mit seinen schätzungsweise mehr als 500 000 Organisationen ist in der Tat schwer überschaubar. Von den Steuervergünstigungen profitieren Vereine, wenn sie gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken dienen. Als gemeinnützig gilt, wenn die Vereinstätigkeit "ausschließlich und unmittelbar darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern". Aber nicht immer profitiert die Allgemeinheit, sondern ein kleiner Personenkreis. Es ist relativ einfach, als gemeinnützig eingestuft zu werden. Das Steuerprivileg nutzen daher auch fragwürdige links- oder rechtsextreme Vereine. Irgendeinen Förderungs- und Spendenabzugsgrund gibt es immer.
Diesen Schönheitsfehler nimmt der Gesetzgeber weiter in Kauf, da der Nutzen für Vereine und Stiftungen sowie die Arbeit Ehrenamtlicher für die Gesellschaft aus Sicht der Koalition weit größer ist. Dafür werden Subventionen nun sogar ausgebaut. Steinbrück, der sich gern in gesellschaftspolitische Debatten einschaltet und nicht nur als Kassenwart der Nation wahrgenommen werden möchte, nennt das eine "erste Rendite" des Sparkurses. Der Stiftungsverband begrüßte, dass einer rein ökonomischen Sichtweise eine Absage erteilt wurde.