Eine Frau aus Weißwasser fällt gegenwärtig ein ums andere Mal aus allen Wolken: Immer wieder flattern ihr mit der Post Rechnungen von Internet-Firmen und Mahnungen von Inkasso-Büros ins Haus für Jahresleistungen, die sie angeblich bestellt hat. Per Telefon wird sie von den Geldeintreibern attackiert, umgehend ihre Schulden zu bezahlen. Ansonsten, so die Drohungen, gebe es Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft.
Die Frau aus Weißwasser ist sich keiner Schuld bewusst. „Ich habe keine Verträge abgeschlossen, schon gar nicht mit den Firmen, die jetzt Geld von mir wollen“ , versichert die Frau. Anfang November erhielt sie eine „letzte außergerichtliche Zahlungsaufforderung“ einer Quartex Limited U.K. mit Sitz in Birmingham. Die Firma ist nach eigenen Angaben Betreiber der Internet-Seite Centurionet.de. Dort habe sie sich im Februar 2006 für eine Testwoche zum Preis von einem Euro angemeldet, heißt es. Daraus habe sich ein Jahresabo mit einer Monatsgebühr von 7,80 Euro ergeben. Ergo habe sie 94,60 Euro zu zahlen.
Noch um gut 30 Euro höher ist eine Forderung, die von einem Inkasso-Büro für eine Aviteo Ltd. aufgemacht wird. Man gebe sich sogar mit monatlichen Ratenzahlungen von 15 Euro zufrieden, wird großzügig angeboten, um im nächsten Satz mit einem gerichtlichen Mahnverfahren zu drohen, falls die Zahlung nicht erfolgt. „Mit Aviteo hatte ich nichts zu tun. Von denen habe ich auch nie eine Rechnung erhalten“ , weist die Frau die Geldeintreiberei zurück. Sie räumt ein, im Februar vergangenen Jahres mal auf der Suche nach einem Virenprogramm auf die Seite Firstload.de geklickt zu haben. „Daten habe ich nicht weitergegeben, am Ende allerdings die Viren im Computer gehabt“ , erinnert sie sich.

Bekannte Verheißungen
Verbraucherzentralen landauf, landab haben zunehmend mit verschreckten Bürgern zu tun, die angeblich Verträge im Internet abgeschlossen haben und dafür nun bezahlen sollen. „Solche Beispiele haben wir massenhaft. Die nehmen in vielen Bereichen zu“ , sagt die Leiterin der Cottbuser Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Brandenburg, Sabine Klauke-Fritsche. Sie rät, bei vermeintlichen Schnäppchen, die im Internet oder auch anderswo angeboten werden, besonders vorsichtig zu sein. „Nichts ist superbillig oder gratis“ , so die Verbraucherschützerin.
Die Verheißungen sind altbekannt: Mit Kostenlos- oder Ein-Euro-Angeboten für einen begrenzten Zeitraum gehen die Anbieter auf die Jagd nach Kunden.
Mal sind es 100 SMS für umsonst, mal wird für einen Euro für vier Wochen der Zugang zu einem superschnellen Usenet-Servern angepriesen, mal werden zwei Wochen lang unverbindlich und natürlich ohne Bezahlung kostenlose Proben zugesandt. Der Interessent muss nur seine persönlichen Daten und oft die Bankverbindung auf der Webseite hinterlassen. Und schon sitzt er in der Falle. Der Haken ist nämlich meist im Kleingedruckten, in den allgemeinen Geschäftsbedingungen, verborgen. „Die werden häufig nicht gelesen“ , ist eine Erfahrung von Sabine Klauke-Fritsche aus vielen Beratungsgesprächen.

Gründlich prüfen
Auch bei Centurionet.de liegt dort der Hund begraben. Wenn nicht innerhalb von sieben Tagen der Testzugang gekündigt werde, verlängere sich der Vertrag automatisch um zwölf Monate zu 7,80 Euro monatlich, steht dort geschrieben. Um Zweiflern an der Rechtmäßigkeit der Geldforderung vorab den Wind aus den Segeln zu nehmen, beantwortet Centurionet auf der Homepage gleich diverse Fragen zu Mahnung und Rechnungstellung. Zusammengefasst lauten die Antworten: Die Kunden haben unrecht. Wenn sie nicht zahlen, bekommen sie Mahn- und Vollstreckungsbescheide.
Verbraucherschützer warnen vor übereilten Schritten. „Man kann solche Dinge wegen arglistiger Täuschung anfechten, wenn nicht sofort und deutlich sichtbar ist, das Gratisleistungen am Ende Geld kosten“ , sagt Klauke-Fritsche.
„Diese Leute wollen Angst machen und drohen sofort mit Inkasso-Büros“ , bestätigt die Verbraucherschützerin die Erfahrung von Betroffenen wie die Frau. Deswegen stehe nicht gleich der Gerichtsvollzieher vor der Tür. Grundsätzlich sollten nur berechtigte Forderungen bezahlt werden. Wer sich sicher sei, die kostenpflichtige Seite nicht genutzt zu haben, sollte Rechnungen und Mahnungen ignorieren, empfiehlt die Verbraucherzentrale Brandenburg. Lediglich einem amtlichen Mahnbescheid müsste man mit einem einfachen Schreiben widersprechen. Um Rechtsverletzern das Handwerk zu legen, sollte Anzeige bei der Polizei erstattet werden.
Die Frau hat das bei der Kripo in Weißwasser getan, so wie andere Geschädigte quer durch die Republik bei ihren Behörden . Bei der Polizei in Aachen gibt es nach Auskunft von Pressesprecher Michael Huba ein Ermittlungsverfahren gegen die Betreiber von Centurionet.de. Inzwischen sollen dort aus dem ganzen Bundesgebiet über 200 Anzeigen aus dem gesamten Bundesgebiet vorliegen. Mit genaueren Angaben hält sich die Kripo zurück. „Die Ermittlungen befinden sich noch in einem sehr sensiblen Stadium“ , begründet Huba.

Kein Anschluss
Eine direkte Nachfrage der RUNDSCHAU bei Centurionet.de zum Geschäftsgebaren und den Kritiken war nicht möglich. Die auf der Homepage angegebene Hotline bricht nach vier Wähltönen zusammen. Über die Festnetznummer wird nach einigen Musikklängen von einer Frauenstimme bedauert: „Leider ist unsere Hotline zurzeit nicht besetzt.“
Man könne sich aber online, per Brief oder Fax mit seinen Fragen an Centurionet wenden. Dann erhalte man Antworten auf seine Fragen. Die hat die RUNDSCHAU gestellt. Eine Reaktion blieb bis heute aus.