Die RUNDSCHAU analysiert die Vergehen und die Lage des ausgemusterten Quartetts. Vor allem stellt sich die Frage: Welche Zukunft haben diese Spieler im Verein?
Die Situation: Marco Küntzel traf es als Ersten. Er wurde vor zwei Wochen von Cheftrainer Petrik Sander zu den Amateuren beordert, weil er eine Trainingseinheit verschlafen hatte. Seitdem bestritt der 31-Jährige drei Par tien im Regionalliga-Team. Auch gestern gegen Borussia Dortmund II kam er in der 3. Liga zum Einsatz. Daniel Ziebig (24) spielte am Wochenende erstmals bei den Amateuren. Offiziell begründete Sander die Maßnahme mit Leistungs gründen. Eine Rolle dürfte jedoch auch gespielt haben, dass der impulsive Ziebig seinen Frust über die Nichtberücksichtigung für die Anfangsformation im Training nicht zügeln konnte. Die Amateurspieler Manuel Zemlin (22) und Marcel Riedeberger (20) halten sich derzeit bei der U 18 fit. Bei Zemlin kritisierte Amateur-Trainer Heiko Weber den angeb lich unbefriedigenden körperlichen Zustand. Riedeberger wurde seine Spielweise zum Verhängnis. Sie sei laut Weber nicht geradlinig genug und mit zu vielen Schnörkeln behaftet.
Das sagen die Trainer: "Es geht um einen respektvollen Umgang miteinander. Es gibt gewisse Regeln, die alle einhalten müssen. Wer ausschert, der muss mit Konsequenzen rechnen" , betont Sander. Die Suspendierung von Küntzel und Ziebig darf deshalb auch als Zeichen an den Rest des Teams verstanden werden. Weber, der für Zemlin und Riedeberger zunächst keine Zukunft im Verein sah, spricht inzwischen von einer "zeitlich befristeten Disziplinarmaßnahme" . Er nimmt die suspendierten Spieler jedoch ausdrücklich in die Pflicht: "Die Tür steht beiden offen. Es wird für sie in den nächsten Wochen darauf ankommen, sich zu zeigen. Sie müssen von der Mitläufer-Rolle wegkommen. Sonst gehen sie in der Masse von 25 Spielern unter."
Das sagen die Betroffenen: "Klar habe ich einen Fehler gemacht. Das darf nicht passieren. Ich kann nur hoffen, dass ich irgendwann wieder bei den Profis mittrainieren darf" , betont Küntzel. Auch Ziebig, der nach seiner am Montag erlittenen Kopfverletzung gestern die Klinik verlassen durfte, zeigt sich einsichtig: "Mir ist meine Impulsivität zum Verhängnis geworden. Ich möchte jetzt möglichst schnell gesund werden und dann wieder angreifen." Zemlin und Riedeberger wollen ebenfalls "nicht locker lassen" und um ihre Rückkehr kämpfen. Beide absolvieren neben den vier Trainingseinheiten mit der U 18 noch drei bis vier Sonderschichten pro Woche bei Nachwuchs-Trainer Ronald Prause.
So sieht die Zukunft aus: Küntzel wird vorerst weiter bei den Amateuren trainieren. Bei Ziebig war die Rückkehr ins Profiteam ursprünglich für diese Woche geplant. Er muss sich nach seinem Trainings unfall aber gedulden. Einfach wird es für beide Spieler jedoch nicht. Ziebig ist bei den Profis derzeit nur die Nummer drei auf der Linksverteidiger-Position. Küntzel bestritt in dieser Saison noch kein Bundesliga-Spiel. Auch für die Amateure Zemlin und Riedeberger dürfte die Rückkehr schwierig werden. Angesichts des großen Kaders ist eine ernsthafte Reaktion nötig, damit sie wieder eine echte Einsatz-Chance bekommen. Zudem muss sich zeigen, ob das angeknackste Vertrauensverhältnis zu Trainer Weber repariert werden kann.