Verkehrsminister Francisco Álvarez Cascos nannte es das "spanische Tschernobyl": Als der Öltanker "Prestige" im November 2002 auseinanderbrach, flossen große Mengen giftiges Schweröl ins Meer. Es entstand ein Ölteppich von der Größe des Saarlands, Hunderte Kilometer der spanischen Atlantikküste wurden verschmutzt - und die Politik schreckte auf. Ein knappes Jahr später, am 21. Oktober 2003, sperrte die Europäische Union ihre Häfen für einwandige Öltanker wie die "Prestige", die zum Beispiel Heizöl oder Teer transportieren. Erlaubt blieben Öltanker mit einer sogenannten Doppelhülle - sie galten als sicherer. In diesen Tagen jährt sich das Verbot zum zehnten Mal.

Probleme nicht alle gelöst

Umweltschützer John Maggs von der Organisation Seas at Risk warnt davor, damit alle Probleme als gelöst zu betrachten. "Damals war das ganz sicher eine Verbesserung", sagt er. "Aber es gibt eine Tendenz zu denken, dass Doppelhüllen-Tanker ein Allheilmittel für die Flotten sind." Doch auch solchen Schiffen mit zwei Außenwänden setzten Rost und Alter zu. Nur ausgiebige Kontrollen könnten Schwächen im Material entdecken.

Beim Schiffs-Prüfunternehmen DNV in Norwegen sieht man die Lage deutlich optimistischer. "Die Doppelhülle ist ein sehr effektives Mittel zum Schutz gegen den Austritt von Öl", betont ein Sprecher. Zwar sei Materialermüdung ein wichtiges Thema, doch in der Regel träten nur kleinere Mengen Flüssigkeit aus. Zudem vermieden die Großen im Ölgeschäft den Einsatz älterer, rostanfälliger Schiffe.

Die an der Gesetzgebung beteiligte Brüsseler EU-Kommission tut sich schwer mit einer klaren Antwort auf die Frage, ob der Schiffstransport von Öl sicherer geworden ist. Im vergangenen Jahrzehnt habe die EU eine ganze Reihe von neuen Vorgaben beschlossen, etwa für die Aufarbeitung von Unfällen oder die Rückverfolgung von Meeresverschmutzung, heißt es dort. Auch die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Regeln immer weiter verschärft.

Weniger Einhüllen-Tanker

Das blieb nicht ohne Folgen: Laut EU-Kommission sind heute deutlich weniger Tanker mit nur einer Wand in europäischen Gewässern unterwegs als noch vor zehn Jahren. Zwischen Dezember 2008 und Juni 2013 sei die Zahl der Einhüllen-Tanker von 486 auf ungefähr 150 gefallen. Im gesamten Jahr 2012 hätten die Europäische Agentur für Meeressicherheit (EMSA) und die nationalen Kontrollbehörden keinen einzigen Einhüllen-Tanker mit Schweröl an Bord in EU-Gewässern gefunden.