An der syrisch-türkischen Grenze warteten derweil weiter Zigtausende vergeblich auf Einlass. Die Türkei will die Menschen, die vor den Kämpfen in der Provinz Aleppo geflüchtet sind, nun auf der syrischen Seite versorgen. Falls nötig, sollen sie auch ins Land gelassen werden, heißt es. Die genauen Bedingungen dafür wurden aber nicht genannt.

Neue Grenzschutzpläne

Mehrere Staaten drohten am Wochenende mit neuen Grenzschutzprojekten, um den Zustrom von Flüchtlingen über Griechenland einzudämmen. "Wenn Griechenland nicht bereit oder nicht in der Lage ist, den Schengenraum zu schützen (. . .), dann brauchen wir eine andere Verteidigungslinie", sagte der ungarische Außenminister Peter Szijjarto in Amsterdam.

Sein österreichischer Kollege Sebastian Kurz meinte: "Wenn wir keine Lösung an der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland zustande bringen, dann wird unsere einzige Möglichkeit sein, dass wir mit Slowenien, mit Kroatien, mit Serbien, mit Mazedonien kooperieren."

Protest aus Griechenland

Der griechische Außenminister Nikos Kotzias hielt den mitteleuropäischen Staaten vor, sein Land isolieren zu wollen. Sein Land schütze die Seegrenze zur Türkei so gut, wie Meeresgrenzen zu schützen seien. In einem Interview der "Rheinischen Post" warf er der EU mangelnde Solidarität vor und fügte an: "Wir haben die EU aufgefordert, uns 2000 Beamte der Grenzschutzagentur Frontex und 100 Boote zu schicken, es kamen bislang nur 800 Beamte." In dem Land wächst zudem der Widerstand gegen den Bau von Aufnahmezentren für Flüchtlinge, den die Regierung in Athen der EU zugesagt hatte.

Weniger Chancen auf Asyl

Laut der EU-Grenzschutzagentur Frontex sank mittlerweile der Anteil von Syrern und Bürgern anderer Staaten mit guten Chancen auf Asyl oder internationalen Schutz deutlich.

Unter den Ankömmlingen in Griechenland machten Syrer im Dezember 39 Prozent aus; im Oktober 2015 waren es noch 51 Prozent gewesen. Gleichzeitig stieg der Anteil irakischer Migranten von elf Prozent im Oktober auf 25 Prozent im Dezember.