Während sich in Brandenburg und Thüringen gerade neue Dreierkoalitionen finden, geht in Thüringen eine zu Ende. Rot-Rot-Grün tritt leise ab. Heute und morgen bestreitet der Landtag in Erfurt seine letzten regulären Sitzungen. Nach der Landtagswahl am 27. Oktober werden die Kräfteverhältnisse mit hoher Wahrscheinlichkeit andere sein.

Wie die Umfragen stehen, wird es danach nicht wieder reichen für ein linkes Bündnis. Rot-Rot-Grün war ein deutschlandweites Novum, als es 2014 die Arbeit in Thüringen aufnahm. Ein Bündnis zwischen zwischen SPD, Grünen und Linken hatte es bis dahin nicht gegeben - schon gar keines unter Führung der Linken. Noch dazu in einem ostdeutschen Bundesland, ein Vierteljahrhundert nach der Friedlichen Revolution. Nicht wenige sahen da schon das Abendland untergehen. 2016 zog Berlin nach und bildete erstmals einen Senat aus SPD, Linken und Grünen. Seitdem ist Thüringen nicht mehr allein auf weiter Flur.

Aber besonders eben schon. Das liegt auch an der Popularität des Bodo Ramelow. Der 63-jährige Linke hat als Ministerpräsident eine atemberaubende Wandlung hingelegt. Vom Gewerkschaftsführer ist er zu einer landesväterlichen Gestalt geworden. Ramelow eröffnet Trachtenfeste, erntet Kartoffeln und hält Reden bei Jugendweihe-Feiern. Land und Leute kennen ihn.

An Ramelow und den Linken liegt es nicht, dass das linke Bündnis in Thüringen keine Mehrheit mehr hat. Mit 28 Prozent in den Umfragen ist die Linke in Thüringen stärkste Kraft - anders als bei Regierungsübernahme, wo sie es noch mit einer CDU-Mehrheit zu tun hatte. Wie es derzeit aussieht, bleiben den Linken in Thüringen die herben Verluste, die sie am 1. September in Brandenburg und Sachsen einfuhr, erspart.

Schwachpunkt der Erfurter Koalition ist die SPD, die in Umfragen auf sieben Prozent dümpelt. Die Sozialdemokraten haben seit der letzten Wahl massiv Rückhalt in der Bevölkerung verloren. Sie gaben auch kein gutes Bild ab - einige spektakuläre Personalwechsel hat die SPD in dieser Koalition erlebt. Die Führungsriege des Landesverbands ist zerstritten, und es brauchte erst den Leipziger Wolfgang Tiefensee, der als neuer Vorsitzender einigermaßen fest im Sattel sitzt. Zusammen mit den Grünen kommt Rot-Rot-Grün derzeit auf etwa 43 Prozent. CDU und AfD kämen dagegen auf 47.

Aber von einem solchen Bündnis will die CDU laut eigenem Bekunden nichts wissen. Die Partei, die 25 Jahre lang Ministerpräsidenten in Thüringen stellte, ist auf 22 Prozent geschrumpft und nur noch drittstärkste Kraft. Das macht ein Kenia-Bündnis mit SPD und Grünen, wie es in Potsdam und Dresden in Arbeit ist, für Erfurt undenkbar.

Ungebrochen stark ist derweil die AfD, die wohl ein Viertel der Stimmen bekommen wird. Der Landesverband, den der Björn Höcke anführt, ist weiter auf Erfolgskurs. Höcke will als Chef des ultra-rechten „Flügels“ die AfD im Ganzen auf einen rechtsnationalen Kurs bringen. Die Thüringen-Wahl wird seine Position in der Partei stärken.

Rot-Rot-Grün könnte für Thüringen nur eine Episode sein. Aber eine von fünf Jahren, in denen viel passierte. Das Bündnis hatte die meiste Zeit nur eine Stimme Mehrheit im Landtag.

In Erinnerung bleiben wird von dieser Koaliton die Gebietsreform, die gescheitert ist. Ursprünglich wollte die Regierung aus 17 Landkreisen zehn machen - und das bis 2017. Doch dann ging alles schief. Nach etlichen Nachbesserung bekam die Reform ein Niveau, auf der man es auch bleiben lassen konnte. Ramelow zog die elegantere Variante vor und verschob das Projekt auf 2021. Aber auch dann wird man von diesem Projekt wohl nichts mehr hören. Gebietsreformen haben sich erwiesen als hoch riskante Projekte für jede Regierung.