(ten/dsf) Am kommenden Sonntag wählt Guben eine neue Stadtverordnetenversammlung. Die LAUSITZER RUNDSCHAU hat den Parteien und Wählergruppen im Vorfeld dieser Wahl mehrere Fragen gestellt. In der Druckausgabe finden Sie die jeweiligen Kernaussagen der Antworten.

Die fünfte und letzte Frage lautete: Wie beurteilen Sie das Gubener Kulturangebot – braucht es mehr oder gar weniger? Welche Kultur fehlt in der Neißestadt?

Linke: Guben ist kulturell gut aufgestellt, und das unterstützen wir als Die Linke. Doch wir dürfen bei diesem Thema nicht die finanziellen Betrachtungen in den Vordergrund stellen. Kultur fördert die Gemeinsamkeit der Bürger, ist kennzeichnend für unsere Stadt und erhöht die Attraktivität unserer Region.

FDP: In unserer Stadt gibt es vielfältige Kulturangebote, deren Erhaltung und Förderung unterstützen wir weiter.

Gruppe Unabhängiger Bürger Spree-Neiße (GUB-SPN): Lebendige Kultur ist in einer Kleinstadt wie Guben nicht einfach. Sie muss genauso wie an jedem größeren Ort immer neu geschehen. So verlockend das Setzen auf „Kultur“ oftmals sein mag, so problematisch sind der lange Atem, die nötigen Finanzmittel und die nachhaltige Beteiligung der Lokalbevölkerung im Einzelnen. Die wirtschaftlichen und demographischen Entwicklungstrends der vergangenen Jahrzehnte haben die kulturelle Funktion der Stadt Guben in den Hintergrund treten lassen – meist mit dem Verweis auf einen klammen Haushalt, die kaum Spielraum für die in der Regel als freiwillige Aufgabe definierte Kultur ließen. Guben hat m.E. im Alltagsgeschäft noch zu viel mit wirtschaftlichen Problemen, mit Abwanderung und starker Alterung zu kämpfen. Die Frage: Brauchen wir mehr Kultur in unserer Stadt? Ich kann diese Fragen weder erschöpfend behandeln noch beantworten. Stadtbibliothek, Konzerte, Stadtfeste und Museum, öffentliche Parks, soziale und dem Brauchtum verpflichtete Vereine etc. – brau Ende der 1000 Druckzeilen

SPD: In Guben gibt es durchaus zahlreiche Kulturveranstaltungen und auch Kulturstätten. Diese müssen besser beworben und unterstützt werden. Wir haben einen MuT e.V. sowie einen Händlerverein. Diese sind sehr engagiert. Alle Veranstalter und Organisatoren müssen wir überzeugen, den MuT und Händlerverein als Plattform zu nutzen – für Terminabstimmungen und vieles mehr. Hier wird sich eine gute Zusammenarbeit auf unsere Innenstadt und darüber hinaus auswirken.

CDU: Kultur ist mehr als Freizeitgestaltung, deshalb kann dies nur ein unvollständiges Statement sein. Wir sind in Guben mit einem reichhaltigen Kulturangebot gesegnet. Das heißt dass die GubenerInnen sehr kreativ sind im Gestalten, ob mit oder ohne Publikum. In Vereinen und Kirchengemeinden wird ehrenamtlich mit hohem Engagement Kunst und Kultur angeboten, die städtischen Einrichtungen Museum, Musikschule und Bibliothek ergänzen hervorragend mit eigenen Leistungen oder durch das Einladen weiterer Künstler die Vielfalt. Ebenso wird in den Schulen Kultur gelebt, eine Kultur des Miteinanders (z.B. Schule ohne Rassismus), viele Arbeitsgemeinschaften, Chöre, die Bläserklassen …, die Volkshochschule gehört mit ihren Angeboten auch dazu. Körperkultur finden wir in allen Sportvereinen, und die Gubener Esskultur hat einzigartige Spezialitäten wie Plinse und Warraschke (womit wir bei der Gartenkultur wären). Was fehlt? Die Überarbeitung des Kulturentwicklungsplans, um alle Angebote zu würdigen und zEne der 1000 Druckzeichen

Grüne: Das vorhandene Kulturangebot mit Veranstaltungen, Museen, Freizeiteinrichtungen, Musikschule, Volkshochschule und die Aufwertung des historischen Stadtbildes soll weiterhin umfangreich unterstützt und weiterentwickelt werden. Hierbei gilt es ein Angebot für alle Generationen zu schaffen. Die potentiellen Nutzer sind mit ihren Bedürfnissen in die Konzeptionen des Kulturangebotes einzubeziehen, damit ein Angebot nicht am Bedarf vorbei geschaffen wird. Das Kulturangebot sollte auch eine grenzübergreifende Bedeutung haben, damit sich die Einwohner von Guben und Gubin weiter annähern können. Ein attraktives Kulturangebot ist auch ein wichtiger Baustein für die Ansiedlung von Fachkräften. Ein Fachkräftemangel verhindert oder hemmt leicht wirtschaftliche Ansiedlungen. Vor diesem Hintergrund sind Förderungen des Kulturangebotes mehr als eine reines Zuschussgeschäft und können sich im Nachhinein lohnen.

Einzelkandidat Klaus Schneider: Das Angebot an Kultur ist in der Regel von den finanziellen Möglichkeiten einer Stadt abhängig. So wird sich z. B. unsere Stadt kein Theater leisten können. Trotzdem könnten durch die Stadtverwaltung weitere kulturelle Angebote geschaffen werden und so die vorhandenen Räumlichkeiten noch besser ausgelastet werden. Sehr hoch sind die Aktivitäten von regionalen Vereinen und Institutionen einzuschätzen, die durch eine Vielzahl von verschiedensten Angeboten die Kulturszene in unserer Stadt bereichern. Besonders ist hervorzuheben, dass diese vielen Angebote ehrenamtlich oder auf eigene Kosten und Risiko erfolgen. Das Angebot an kulturellen Veranstaltungen/Diskos für die Jugend sollte dringend verbessert werden. Hier sollten auch die Möglichkeiten für städtische Förderungen geprüft werden. Leider fehlt in unserer Stadt eine Gesamtstrategie und Gesamtkoordinierung der kulturellen Angebote.

AfD: Das Gedenk- und Erinnerungskonzept in Guben ist einseitig, blendet einen Großteil der geschichtlichen Ereignisse der Stadt aus und trägt nicht dazu bei, eine positive Identität zu stiften, die über die Zeit von 1933-1989 hinausgeht. Wir wollen eine neue Erinnerungskultur, die nicht einseitig schamhaft auf die brutalen Auswüchse deutscher Geschichte abstellt. Wir wollen Mut zur Wahrheit wagen in Bezug auf die uns gemeinsame Geschichtserzählung, die neben preußischen Königen und Kaisern Bürgersinn, Pflichterfüllung, Gemeinschaftsgeist, aber auch Widerstand und Tapferkeit umfasst. Wir wollen erinnern an die jüdischen Gubener, die durch nationalsozialistischen Wahn entrechtet und schlimmstenfalls ermordet wurden. Wir wollen erinnern an die Gubener Widerständler, die mutig für die Freiheit Ihrer Mitmenschen ihr Leben gaben. Das Fach „Heimatkunde“ sollte in der Grundschule wieder eingeführt werden. Wir setzen uns hierzu für eine Initiative auf Landesebene ein.

Wir Gubener Bürger (WGB): Das kulturelle Leben einer Stadt ist ein wichtiger Standortfaktor, er ist entscheidend, neben dem Sicherheitsgefühl, wie wohl man sich in einer Stadt fühlt. Im Bereich der Unterstützung der Kunst, Kultur und der Vereinstätigkeit hat Guben starke Verbesserungspotentiale. Die Koordination der Aktivitäten zwischen den verschiedenen Akteuren muss wesentlich besser und fachgerechter koordiniert werden. Deshalb Schaffung eines Kulturamtes mit zwei hauptamtlichen Kulturkoordinatoren. Erhalt, Ausbau und Reaktivierung des Museums „Sprucker Mühle“ und des Umfeldes. Unterstützung der Gubener Künstler, da sie Aushängeschild und Werbeträger der Stadt sind. Werbung mit allen touristischen Möglichkeiten durch die Stadt in Ergänzung zum Marketingverein, Prüfen der Effektivität der Mitgliedschaft im Fremdenverkehrsverein Lausitzer Seenland, ggf. Neuausrichtung nach Norden (Neuzelle, Schlaubetal, Ratzdorf, Eisenhüttenstadt). Stärkung des Ehrenamtes durch Ausbringung Ehrenamtspass mit zahlrEnde der 1000 Druckzeichen