Handelte der verhaftete holländische Anarchist Marinus van der Lubbe allein„ Stecken die Kommunisten oder gar die Nazis dahinter“ Mit dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 versank die Weimarer Republik sinnbildlich in Schutt und Asche. Ihr Ende war markiert.
Noch heute führen Historiker und Publizisten einen Glaubenskrieg über den spektakulärsten Polit-Kriminalfall der deutschen Geschichte. Fest steht, dass Hitler den Brand zum Griff nach der absoluten Macht nutzte. Mit der Zerstörung des von den Nazis verhassten Symbols der Demokratie begann der erst vier Wochen amtierende Reichskanzler mit der Verfolgung seiner Gegner. Noch in der Brandnacht wurden tausende Kommunisten, Sozialdemokraten und Pazifisten eingesperrt.

Van der Lubbe gesteht Tat
Für die Nationalsozialisten stehen schnell auch die Drahtzieher des Brandes fest. Die Kommunisten, so notiert NS-Propagandachef Joseph Goebbels in seinem Tagebuch, hätten einen letzten Versuch unternommen, "durch Brand und Terror, Verwirrung zu stiften, um so in der allgemeinen Panik die Macht an sich zu reißen". Van der Lubbe gesteht zwar die Tat, gibt sich aber als Einzelgänger aus.
Am 30. Januar war Hitler an der Spitze einer Koalition von Nationalsozialisten, Konservativen und Deutschnationalen zum Reichskanzler ernannt worden. Jetzt hat er einen Anlass, seine Stellung weiter zu festigen. Nur einen Tag nach dem Reichstagsbrand lässt sich die Hitler-Regierung vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg eine Notverordnung "zum Schutz von Volk und Staat" unterschreiben. Der Ausnahmezustand wird ausgerufen, die Pressefreiheit aufgehoben, die Todesstrafe wieder eingeführt. Goebbels trommelt derweil gegen den drohenden "kommunistischen Aufstand".
Der Medien-Feldzug zeigt seine Wirkung. Bei den vorgezogenen Neuwahlen am 5. März kann die NSDAP ihre Mehrheit auf 44 Prozent ausbauen, die Fraktion wächst von 196 auf 288 Abgeordnete. Knapp zwei Wochen später ist das Ende der Demokratie besiegelt. Das Parlament, das seit dem Brand in der Kroll-Oper tagt, beschließt das "Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich". Mit dem neuen Gesetz kann Hitler die Verfassung außer Kraft setzen - Deutschland ist auf dem Weg in die totale Diktatur.
Vor Gericht scheitern die Nazis mit ihrem Versuch, die Kommunisten mit dem Anschlag in Verbindung zu bringen. Van der Lubbe wird wegen schwerer Brandstiftung für schuldig erklärt. Vier Mitangeklagte, der KPD-Abgeordnete Ernst Torgler, der Bulgare Georgi Dimitroff und zwei weitere Kommunist werden freigesprochen. Van der Lubbe wird am 10. Januar 1934 mit dem Fallbeil hingerichtet.

Zweifel bleiben bis heute
Der renommierte deutsche Historiker Hans Mommsen erklärt nach einer Untersuchung, an der Alleintäterschaft van der Lubbes sei nicht zu deuteln. Doch die Zweifel verstummen bis heute nicht.