Vor genau 50 Jahren wurde das Unternehmen gegründet – am 10. September 1958. Es wurde knapp 33 Jahre alt.
Eine der Symbolfiguren für den Luftverkehr in den damals beiden deutschen Staaten wurde ein junger Mann aus Bremen. 1957 wollte Helmut Willumeit noch einmal seinen Vater in Ostberlin besuchen, ehe er seinen Dienst als Copilot bei der Deutschen Lufthansa in Frankfurt antrat. Doch im Osten Berlins erwarteten ihn bereits einige politische Abgesandte der damaligen Lufthansa der DDR, die durch die Stasi auf ihren früheren Bürger aufmerksam geworden waren. Die Männer versprachen Willumeit die Übernahme aller Ausbildungskosten an der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa West und eine „erstklassige Tätigkeit“ in der DDR-Luftfahrt. Helmut Willumeit verzichtete dankend, verschwand so schnell wie möglich aus Ostberlin, kehrte bis zum Mauerfall nie wieder in die DDR zurück und wurde Jumbo-Kapitän der Lufthansa West.
Der DDR-Fluggesellschaft fehlten damals qualifizierte Piloten – Pilotinnen waren nicht erwünscht. Zudem galten alleinstehende Piloten mit West-Verwandtschaft als potenzielle „Republikflüchtlinge“. Später wurden DDR-Piloten gar in drei Zuverlässigkeitskategorien eingeteilt: K. A. – kapitalistisches Ausland, N. S. W. – nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet und S. W. – sozialistisches Wirtschaftsgebiet. Wer im Westen Verwandte hatte, durfte normalerweise nicht K. A. fliegen.

Namensstreit mit Lufthansa
Erster Chef der Fluggesellschaft war Arthur Pieck, der Sohn des ersten Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck. Der letzte Präsident der Interflug war Andreas Kramer, heute Airbus-Chefverkäufer für die ehemaligen GUS-Staaten. Offiziell gegründet wurde das Unternehmen als Bedarfsfluggesellschaft – zunächst als Interflug Gesellschaft für Internationalen Flugverkehr mbH (IF). Am 1. September 1963 übernahm die Bedarfsfluggesellschaft alle Rechte und Pflichten der Deutschen Lufthansa der DDR.
Es war eine politisch und wirtschaftlich bedingte Zwangslösung, denn die Deutsche Lufthansa West hatte vor europäischen Gerichten durchgesetzt, dass sie allein Träger dieses Namens sein durfte. Der DDR blieb deshalb nichts anderes übrig, als einen anderen Titel zu wählen – so wurde schließlich die Interflug der Träger des Luftverkehrs der DDR. Allerdings hatte das Unternehmen schon am 1. Juli 1955 seine Tätigkeit auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld aufgenommen, der von den Sowjets geräumt worden war.
Arthur Pieck, der von 1938 bis 1941 in der Presseabteilung der Kommunistischen Internationale in Moskau tätig gewesen und 1945 als Hauptmann der Roten Armee nach Deutschland zurückgekehrt war, wurde Hauptdirektor. Sein Vize und Direktor für den Flugverkehr wurde der frühere Lufthanseat Fritz Horn, der 1927 bei Junkers drei Weltrekorde aufgestellt hatte. Mit der politischen Arbeit innerhalb der Interflug wurde Karl Heiland betraut, der im Zweiten Weltkrieg Pilotenausbilder in einer Luftwaffendivision gewesen war.

Airbus für die Flugbereitschaft
Das Ende der Interflug nach dem Mauerfall wird bis heute sehr unterschiedlich beurteilt. Viele Piloten fanden später neue Jobs bei verschiedenen europäischen Airlines, aber auch bei den stark expandierenden arabischen und fernöstlichen Fluggesellschaften. Noch immer aber glauben zahlreiche einstige Interflug-Angehörige, dass die umstrittenen Entscheidungen der Treuhand maßgeblich zum damals unnötigen Aus der Interflug beigetragen haben. Viele kritisieren auch den Umgang der Lufthansa Anfang der 90er-Jahre mit Job suchenden ostdeutschen Piloten. Dagegen galt Air Berlin als sehr offen für ehemalige DDR-Piloten.
Noch im Oktober 1990 gehörten der Interflug – ein gutes halbes Jahr vor ihrem endgültigen Aus und dem letzten Flug einer Tupolew Tu-134 von Schönefeld nach Wien – 19 Tupolew Tu-13A, sieben Iljuschin Il-18, vier vierstrahlige Langstreckenjets Iljuschin Il-62 und drei nagelneue Airbus A310-304 an. Alle A310-304, die mit Zusatztanks für Nonstop-Flüge nach Kuba ausgerüstet waren, landeten später bei der Flugbereitschaft des Bonner Verteidigungsministeriums.