Anders als kostspielige Reisen für die komplette Familie sei ein Kleingarten vergleichsweise preiswert, sagte der Geschäftsführer des Landesverbandes Brandenburg der Gartenfreunde, Bernd Engelhardt, in Potsdam. Erwachsene könnten sich jederzeit erholen, Kinder spielen.Nachfrage im SpeckgürtelEs gebe aber auch noch einen anderen Grund für die Beliebtheit der Freizeitschollen. "In schlechten Zeiten besinnen sich die Leute und fragen sich, woher sie gesundes Obst und Gemüse kriegen", erklärte Engelhardt. Je nach Lage koste eine Parzelle etwa 300 bis 500 Euro pro Jahr - eine Summe, die sich Menschen, die nicht zu den Großverdienern zählen, durchaus leisten könnten. Allerdings ist die Lage Engelhardt zufolge nicht durchweg rosig. Während es in den großen Städten und im "Speckgürtel" rund um Berlin eine große Nachfrage nach Gärten gebe, müsse in Randlagen zum Teil mit erheblichem Leerstand gekämpft werden. Einerseits wanderten gerade junge Menschen aus strukturschwachen Regionen ab, andererseits seien Brandenburger in ländlichen Gebieten nicht so sehr auf einen Garten als "grünen" Ausgleich angewiesen. An der Peripherie würden Landstücke umgewidmet, Lauben abgerissen. "Das sind dann aber keine Brachflächen, die verwildern", betonte der Geschäftsführer. Denn die Areale würden zum Beispiel als Schulgärten weiter genutzt. Wegen geringer Nachfrage ist auch kommunales Land in Falkenberg (Elbe-Elster) betroffen, wie der Vorsitzende des Regionalverbandes der Gartenfreunde Herzberg und Umgebung, Rolf-Jürgen Herrmann, sagte. Dort stehe bald der nächste Vor-Ort-Termin an, um über die Zukunft von Gärten zu beratschlagen. In Ladeburg (Barnim) wurde dagegen im vergangenen Jahr eine neue Kleingartenanlage eröffnet. Die Initiative sei von Spätaussiedlern ausgegangen, berichtete der Vorsitzende des Bezirksverbandes der Gartenfreunde von Bernau und Umgebung, Thomas Müller. Fast alle der 20 bis 25 Gärten seien belegt - nicht nur von Spätaussiedlern. Über mangelnde Nachfrage könnten sich die 33 Vereine des Bezirksverbandes mit ihren rund 1000 Gärten nicht beklagen. An Gartenordnung haltenDer Landesverband der Gartenfreunde hat laut Engelhardt rund 72 000 Mitglieder; 33 Verbände und 1349 Vereine seien in dem Verband organisiert. Konflikte im Miteinander unterschiedlicher Gruppen in den Brandenburger Kleingärten hielten sich in Grenzen. "Wo Jung und Alt aufeinandertreffen, gibt es auch unterschiedliche Auffassungen." Allerdings müsse sich jeder an Gartenordnungen halten. Also gibt es sie doch, die Spießigkeit, die Kleingärtnern gerne nachgesagt wird? "Das war immer überspitzt", sagte Engelhardt. Wie das Vereinsleben gestaltet werde, hänge von den handelnden Personen ab. "Es geht keiner durch den Garten und sagt, du musst das und das anbauen. Niemand geht mit einem Zollstock herum."