Der 65-jährige kennt sich damit aus, denn er frönt einem ungewöhnlichen Hobby: Er sammelt Radios "Made in G.D.R."
Eng an eng drängen sie sich in einem Nebengelass seines Wohnhauses in Zottewitz. Rund 450 sind es momentan, und jede Woche werden es mehr. Dabei platzen die Regale längst aus den Nähten. Echte Raritäten befinden sich darunter, wie das erste DDR-Rundfunkgerät. Es nannte sich RFT Super, Typ Stern 4U61 und entstand 1949 beim VEB Sternradio Leipzig. Optisch erinnerte es noch sehr an die früheren Goebbelsschnauzen.
Stolz ist er auch auf den ersten Reiseempfänger der DDR, der noch ganz unspektakulär 6D71 hieß. Er kam 1952 heraus, hatte schon Batterieantrieb und eine pfiffige Rollantenne. Und 1959 sei dann das "Sternchen" erschienen, das Erste aus dem Osten ganz auf Transistorbasis. "Es hatte Mittelwelle von 510 bis 1620 kHz und war sowohl technisch als auch in seinen Miniaturmaßen von 3,5x9,0x14,5 cm international konkurrenzfähig", berichtet Klug.
Man sollte Zeit mitbringen, wenn man den Elektromechaniker in seiner kleinen Radiowelt besucht. Denn er steckt voller Wissen und sprudelt das gern auch heraus. Die meisten Fragen der Besucher ahnt er schon im Ansatz und hält Antworten parat, auch weil er zu jedem Radio die technischen Datenblätter sammelt.
Das teuerste Kofferradio seinerzeit„ "Der Radiokassettenrecorder SKR 500. Er kostete 1982 schon 2150 DDR-Mark, war sehr schwer, hatte Stereo und ein Zweiwegelautsprechersystem." Das Variantenreichste“ "Da gab es mehrere, etwa das ,Dominante', das in den 1950er-Jahren elfmal modifiziert wurde, so auch als Allstromgerät A 122." Das Schönste„ "Es gab richtige Kunstwerke wie das ,Sonata', dessen Gehäuse die Leipziger Klavierfirma Blüthner fertigte." Das Modernste“ "Vielleicht das Rema tonica RX 80, als Hifi-Steuergerät konzipiert und mit einem legendären Tuner für den UKW-Bereich. Es konnte 14 Sender speichern, hatte eine sehr hohe Trennschärfe."
Angefangen habe alles um die Wende herum, erzählt der gebürtige Vogtländer. Reihenweise entsorgten die Leute damals ihre Altgeräte in den Sperrmüll, er musste sie nur aufsammeln. Einen zusätzlichen Schub brachte dann die Eröffnung seines kleinen Privatmuseums im August 2002.
Ganzen Generationen Ostdeutscher gehen seither Augen und Herzen auf, wenn sie Schätze ihrer Jugend wiederentdecken. Das "Stern Party" mit Mittel- und Kurzwelle etwa, mit dem man als Halbwüchsiger abends unter der Laterne stand, bis die Nachbarn rumorten. Oder der Stereo-Großsuper "Rossini", den sich heute 60-Jährige für die erst eigene Wohnung ersparten. Nicht zuletzt das possierliche Taschenradio "Mikki", das auch der Autor dieses Beitrages 1968 unterm Tannenbaum fand.
Auch Kuriositäten stehen in Klugs Kabinett. Etwa Geräte, die die DDR für die Bundesrepublik baute, und die dann im Westpaket zurückkehrten. "Da gab es das ,Ouvertüre', einst von Quelle für 60 DM vertrieben. Als es später auch in unsere Läden kam, kostete es 500 Mark Ost", weiß der Sammler.